Heusenstamm (schu) Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine
Wunder - kann ein 11O-jähriges Chorjubiläum mit passenderen Worten gefeiert
werden? Reiner Malkmus und sein katholischer Kirchenchor St. Cäcilia hatten mit Bachs
Kantate BWV 29, die 1731 und später noch mehrere Male beim Leipziger Ratswahlgottesdienst
aufgeführt wurde, als Schlussstück für ihr Jubiläumskonzert eine vorzügliche Wahl
getroffen.
Mit einem außerordentlich festlichen Einleitungssatz für Streicher, Oboen, Trompeten und
Pauken und konzertieren der Orgel beginnt die Kantate, kaum noch als Umarbeitung des
Präludiums der E-Dur-Suite für Violinen. Der Choral Sei Lob und Preis mit
Ehren" beschließt die Kantate.
Anrührend war nicht nur das festliche Gepräge, sondern auch der ökumenische Geist, der
mit der Wahl dieser Bachkantate zum Ausdruck kam. Aufmerksam und überzeugend folgte der
Chor dem sicheren, ruhigen Dirigat von Reiner Malkmus. Er feierte sein 25-jähriges
Jubiläum als Dirigent des Kirchenchors. So, wie sich der Chor präsentierte, kann Malkmus
stolz auf seine Erziehungsarbeit sein. Sicherheit der Einsätze, Sauberkeit und
Textverständlichkeit ließen kaum etwas zu wünschen übrig. Mit drei Sätze der
Qrchestersuite D-Dur BWV 1068 hatte das Festkonzert begonnen. Das Kammerensemble
Frankfurt-Darmstadt spielte mit strahlendem Trompetenklang, ohne in der Ouvertüre durch
doppelte Punktierung auf den französischen Geschmack einzugehen, der diesen Suiten
zugrunde liegt.
Von Vivaldi erklangen das Magnificat und das Gloria D-Dur, beide in strengem Kirchenlatein
und nicht, wie es bei dem italienischen Meister eigentlich nahe gelegen hätte, in
italienischer Aussprache. Der Chor war voll bei der Sache. Die beiden Vokalwerke mit ihrem
Wechsel zwischen Tutti, Rezitativ und Solo-Arien erklangen auch mit sparsamen dynamischen
Abstufungen strahlend und festlich.
Von wenigen Stellen abgesehen, an denen der Mezzosopran sich nicht durchsetzen konnte - so
im Pastoralsatz des Gloria - waren die Solistinnen Christine Bechtel (Sopran) und
Yvonne Hetteger (Mezzosopran) mit leichten und beweglichen Barockstimmen vortreffliche,
zurückhaltend gestaltende Partnerinnen. Teils an einem Orgelpositiv, teils an der großen
Orgel erwies sich Hubert Sassen als zuverlässiger Begleiter. Das Publikum in der bis zum
letzten Platz gefüllten Kirche feierte die Jubilare mit begeistertem Beifall.
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