Aufklappbarer Zugang zur St. Cäcilia-Krypta
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Heusenstamm (mcr) -
Architektenträume sind aus Stahl und Glas - auch, wenn es um den Eingang in die Krypta
der St. Cäcilia-Kirche geht. Drei Entwürfe gibt es für die Neugestaltung der
zweckmäßigen, aber mitten im frisch renovierten Gotteshaus unansehnlichen Holzplatte.
Zwei der beteiligten Künstler möchten die Treppe zur Schönborn`schen Grabkammer mit
edel bis schlicht gestalteten Edelstahlklappen verschließen; einer hat ein kleines Modell
aus Plexiglas zusammengezimmert. Ziel ist es, die Krypta künftig nach den Sonntags-Messen
für Besucher öffnen zu können. Die endgültige Entscheidung wird vermutlich am
nächsten Montag bei der Sitzung des Verwaltungsrats fallen. Pfarrgemeinderat und
Kirchenmitglieder haben ihrerseits bereits den Edelstahl-Entwurf eines Münchner
Künstlers zum Favoriten erklärt. Sein Name: Philipp Schönborn. Er stammt aus der
böhmischen Familienlinie derer von Schönborn, muss aber ohne Adelstitel auskommen.
Dafür kann er eine kreativ-konservative Ader vorweisen, die in den vergangenen Wochen
auch die Cäcilia-Christen beeindruckt hat. Herbert Margraf hatte als Verwaltungsratschef
nach den Sonntags-Messen im Dezember die drei Varianten vorgestellt und die Gemeinde um
Meinungen gebeten. Das Ergebnis war eindeutig. Von 80 Cäcilianern, die sich an der
Umfrage beteiligten, möchten 67 am liebsten die Schönborn-Platte in der
Schönborn-Kirche sehen.
Heute treffen Margraf für den Verwaltungs- und Mechthild Schreiner für den
Pfarrgemeinderat auf Vertreter des Bauamtes des Bischöflichen Ordinariats. Die Mainzer
haben in Sachen Krypta-Zugang ein gewichtiges Wort mitzureden. Kommt nichts dazwischen,
wird am Montag im Verwaltungsrat abgestimmt.
Die Kosten für die Abdeckung will der Förderverein der Kirche übernehmen. Erhält der
Favorit den Zuschlag, müssen 39 000 Mark als Honorar und Arbeitslohn aufgebracht werden.
Günstiger, weil sparsamer in Ausführung und Gestaltung, wäre das Angebot des Mainzer
Kreativ-Handwerkers Hermann Gradinger. Seine zweigeteilte, seitlich aufklappbare
Metallplatte würde 15 000 Mark kosten. Ungleich teurer würde mit 50 000 Mark eine Klappe
aus Plexiglas, zwischen deren Schichten die Namen der in der Grabkammer Bestatteten und
der Schriftzug "Pax Vobis" ("Friede sei mit euch") eingelassen sind.
Also baut der Pfarrgemeinderat auf finanzielles Mittelmaß und hegt dabei die wohl
berechtigte Hoffnung, dass der Schönborn-Nachfare doch etwas weniger verlangt. Sein
Edelstahl-Entwurf ist mit Belüftungs-Löchern versehen, die großflächig betrachtet den
Namen Schönborn und ein Kreuz erkennen lassen. Die Künstler waren schon vor zwei Jahren
aufgefordert worden, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Dann kam aber der
Pfarrers-Wechsel dazwischen und die Gemeinde hatte andere Sorgen.
Die Krypta war jahrzehntelang verschlossen; hinein ging es allenfalls auf allen Vieren.
Bis zur Renovierung der Balthasar-Neumann-Kirche vor drei Jahren. Allerdings wird die
schwere Holzplatte auch heute noch nur selten angehoben. Das soll sich ändern. "Wir
möchten die Krypta aus Ehrfurcht vor den Toten und aus Respekt vor dem Willen der
Erbauerin unserer Kirche wieder zugänglich machen", hat Herbert Margraf formuliert.
Das Wort Krypta kommt aus dem Griechischen und bedeutet bedeckter Gang. Meist unter dem
Chor waren sie ursprünglich Grabraum bei einem Heiligengrab. Später dienten sie auch als
Grabstätte für kirchliche und weltliche Würdenträger. Die Cäcilia-Krypta war von
Maria Theresia von Schönborn, der Erbauerin der Kirche, als Grabanlage der gräflichen
Familie - in erster Linie der männlichen Nachkommen - geplant worden. "Ja, man
könnte sagen, dass unsere Kirche geradezu zu diesem Zweck gebaut worden ist."
Maria Theresia selbst konnte der Wunsch, in der Kirche begraben zu werden, nicht ganz
erfüllt werden. 1698 geboren, starb sie im April 1751 in Wien. Ein Transport nach
Heusenstamm war wegen der Hitze nicht möglich. So wurde nur das Herz der Gräfin in die
Heimat gebracht und dort am 11. Mai 1751 beigesetzt. Begraben wurden in der Krypta ihr
Mann Anselm Franz von Schönborn, Buchheim und Wolfstal (1681 bis 1726), Franz Ludwig
Anton von Schönborn, der älteste Sohn, Kurmainzer Amtmann in Steinheim (1719 bis 1728),
sein Bruder Hugo Philipp Friedrich Carl von Schönborn, Kanoniker am Hohen Dom zu Speyer
und Kurmainzer Amtmann in Speyer (1721 bis 1734), Johann Erwin von Schönborn, Herr zu
Reichelsberg und Heusenstamm (1654 bis 1705) und sein 1679 im Alter von sechs Monaten
gestorbener Sohn Philipp Anton von Schönborn, seine Ehefrau Maria Anna von Schönborn von
und zu Bassenheim (gestorben 1702), der Kaiserliche Wirkliche Geheime Rat Melchior
Friedrich von Schönborn (1643 bis 1717), seine Ehefrau Sophia von Schönborn (1651 bis
1726) und Maria Anna Sophia Francisca Walburga von der Leyen und Hohengeroldsee (1745 bis
1804, Schwiegermutter des Franz Philipp von Schönborn. Ihr Sarg wurde mit ihren Gebeinen
im August 1981 in ihre Heimat nach Blieskastel überführt und dort neben ihrem Gatten
Franz Karl von der Leyen beigesetzt.
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Foto: Marcus
Reinsch
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Wer hinabsteigen will in die
Krypta derer von Schönborn, muss klein oder gelenkig sein. Herbert Margraf,
Verwaltungsratschef und Vorsitzender des Fördervereins, hat sich längst dran gewöhnt.
Neben einem neuen Zugang fast unmittelbar vor dem Altar soll sich auch in der Grabanlage
selbst manches verändern. Ziel wird sein, den ursprünglichen Zustand weitestgehend zu
erhalten oder wieder herzustellen. Heute kommt das bischöfliche Bauamt zu Besuch.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
01.02.2001
Offenbach Post |
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