Ein geöffneter Wasserhahn hat den Schlauch wohl schon vor einigen Tagen zum Platzen
gebracht. Der Hahn war vermutlich nach einer turnusgemäßen Wartung der Heizungsanlage
nicht verschlossen worden. "Da der Raum selten betreten wird, fiel das nicht
auf", erklärt Herbert Margraf, Vorsitzender des Fördervereins St. Cäcilia. Die
Flutung entdeckt hatte am Montagmorgen Küsterin Ursula Kestawitz, die in den Keller
hinabgestiegen war. Zu diesem Zeitpunkt waren nach Schätzungen der Freiwilligen Feuerwehr
Heusenstamm bereits rund 10 000 Liter Wasser ausgeflossen.
1,50 Meter hoch standen die nassen Massen im Heizungsraum, im Tankraum "nur"
einen halben Meter. Durch einen unterirdischen Verbindungsschacht war das Wasser auch in
die Krypta gelaufen und hatte diese 50 Zentimeter hoch geflutet. Am Montag war die
Feuerwehr laut ihrem stellvertretenden Wehrführer Frank Herd sieben Stunden im Einsatz,
gestern nochmal vier. Erneut hatte sich zehn Zentimeter hoch Wasser in der Krypta
angestaut. Noch immer vollgesogen sind die Sandsteinmauern des Gewölbes und die
Sarkophage, in die Löcher gebohrt worden waren, damit das Wasser ablief.
Für gestern Nachmittag bestellte die Stadt Heusenstamm für die Pfarrgemeinde eine Firma,
die die Krypta mit speziellem Gerät von Feuchtigkeit befreien soll. "In 14 Tagen
wird die Krypta wohl wieder völlig trocken sein", schätzt Heinz Scherer,
Hauptamtschef der Stadt.
Dass die Stadtverwaltung überhaupt aktiv wurde, hat einen historischen Hintergrund: 1806
wurde vertraglich vereinbart, dass die Rechte und Pflichten, die zuvor die Grafschaft
Schönborn für das Chor der Kirche, den Kirchturm und die Sakristei inne hatte, vom
Großherzogtum Hessen-Darmstadt und später von der Stadt übernommen wurden.
Federführend für die Betreuung der Kirche ist aber die Pfarrgemeinde. Sie hat zusammen
mit dem bischöflichen Ordinariat in Mainz als Rechtsvertreter Kontakt mit der
Wartungsfirma zwecks Schadensregulierung aufgenommen. Vertreter der bundesweit
Heizungsanlagen in Kirchen betreuenden Firma haben sich für heute angekündigt. Erwartet
wird allseits, dass die Firma für den Schaden aufkommt. Wie hoch der sein wird, steht
noch nicht fest. Immerhin: "Die Sarkophage werden wohl keine dauerhaften Schäden
davontragen", glaubt Herbert Margraf.
Wenn die Trockenfirma die Feuchtigkeit eingedämmt hat, soll eine Maler- und Verputzfirma
das Mauerwerk des Heizungs- und Tankraums restaurieren. Sind dann die Löcher in den
Sarkophagen wieder verschlossen, hätten nicht nur die Toten wieder ihre Ruhe.
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