Japanpapier und Flugzeugleinen
St. Cäcilia: Eifrige Eibinger Nonnen restaurierten
in 300 Arbeitsstunden historisch-wertvolle Bücher
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Heusenstamm (M.) Braun marmorierte Einbände weisen Spuren der starken Beanspruchung auf,
Ränder fransen aus, der 400 Jahre alte Buchrücken verfügt über keinerlei Kontakt mehr
mit seinem Inhalt. Der besteht aus zarten Papierseiten, denen der Zahn der Zeit arg
zugesetzt hat. So gleichmäßig die Eintragungen mit Tinte auch in
Sütterlin-Schönschrift verfasst sein mögen - sie lassen sich kaum mehr entziffern.
Dabei bezeugen die Zeilen aus den Jahren zwischen 1645 und 1842 bedeutende Ereignisse:
Anhand von Taufen, Trauungen und Sterbefällen innerhalb der katholischen Pfarrgemeinde
St. Cäcilia lassen sich Daten für die Ahnenforschung sammeln und familiäre Wurzeln
freilegen, begründete Herbert Margraf die Restaurierung dreier historischer
Kirchenbücher.
Den Wert der Werke für ihre Leser hat auch Schwester Dorothea im Blick. Die erfahrene
Fachfrau in der Abtei St. Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim hatte bei den
Aufzeichnungen der Jahre 1700 bis 1745 keine Wahl - der Deckel war bereits derart
verfallen, dass ein neuer her musste. "Das Original war schon recht modern für seine
Zeit", lautete die Diagnose der Ordensfrau, "jedoch stark abgewetzt und
abgeschabt". Möglicherweise rühren die Beeinträchtigungen von einem früheren
Wasserschaden.
Die Buchbinderin entschied sich für stabiles Ziegenleder, das per Aluminium-Nachgärbung
entsäuert wurde. Deutlich mehr Arbeit erforderten die nur noch lose inliegenden Seiten.
Sie wurden einzeln in voll entsalztem, mit Kalziumkarbonat angereichertem, also sehr
hartem Wasser gewaschen. Durch diese Prozedur werde die Entstehung schädlicher Säuren
unterbunden, informierte die kundige Leiterin der Fachwerkstatt.
Beim Wässern werden zudem neue Fasern aus dem Papier gefördert. Mit Hilfe einer Maschine
werden sie mit Unterdruck an Fehlstellen angelagert. Diese finden sich vorwiegend an den
Rändern, berichtete die Restauratorin. Allerdings ergänze sie betroffene Schriftbilder
nicht, um die Authentizität zu wahren. Die alte Eisen-Gallus-Tinte ist dokumentenecht und
wasserfest und enthält Säuren, die den Papierfraß verstärken. Solche Verbindungen
werden beim Waschen gelöst.
Blatt für Blatt sind jetzt mit neuem Heftfaden verbunden. Weil die alten Heftstationen
nicht mehr ermittelt werden konnten, entschied man sich für vier doppelte Leinenkordeln,
die den Zusammenhalt sichern. Auf natürlicher Basis nahm die Schwester auch die
notwendigen Nachleimarbeiten vor.
Der über Jahrhunderte eingesetzte Weizenstärke-kleister ist durch seine
Wasserlöslichkeit reversibel, was der Philosophie der Ausbesserung entspricht. Der
Buchblock erhielt schließlich einen Rücken aus Japanpapier und Flugzeugleinen, ebenfalls
stabilisierende und zugfeste Materialien.
Ähnlich verfuhren die Nonnen mit dem kleinen Büchlein der ältesten zu erneuernden
Aufzeichnungen, sie reichen von 1644 bis 1700. Der dickste Wälzer beinhaltet die Taufen,
Trauungen und Sterbefälle von 1745 bis 1842 und besticht durch bronzene Verschlüsse. 12
000 Mark investierte der Gesamtverband der Heusenstammer Pfarrgemeinden, um der
historischen Verantwortung zu genügen.

Foto: Michael |
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Irreparabel sind Rücken und viele Seiten des Kirchenbuches der Jahre 1700 bis 1745
(vorne). Herbert Margraf vom Förderverein der Balthasar-Neumann-Kirche präsentiert die
restaurierten Aufzeichnungen in einer neuen Bindung. |

Foto: Michael |
Um sie vor unsachgemäßen Berührungen und schädlichem Lichteinfall zu schützen, wurden
von allen Büchern Fotokopien angefertigt. Das "Protocollum Parochiale" von 1745
bis 1842 mit den verzierten Metallverschlüssen enthält auch Aufzeichnungen der
"Filiale Obertshausen". |
Mitteilung vom:
erschienen in: |
11.08.2001
Offenbach Post |
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