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Stand 09. September 2001

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Barocke Vielfalt virtuoser und geistlicher Musik in St. Cäcilia

Begeisternde Soiree des Fördervereins / Lisa Wedekind mit künstlerischer Reife

Heusenstamm (schu) - Die spätsommerliche musikalische Soiree des Fördervereins der Balthasar-Neumann-Kirche St. Cäcilia kam einer neuen Bedeckung der Krypta, den Epithaphien und der Restaurierung der Flammvasen am Turm zugute, denn die beteiligten Künstler hatten auf ihr Honorar verzichtet.
Ein mehrheitlich barockes Programm zog so viele Musikfreunde an, dass die Plätze in der Kirche kaum ausreichten. Schwerpunkte bildeten zwei Instrumentalkonzerte. Das d-moll-Konzert des Venezianers Alessandro Marcello, das schon seinem jüngeren Zeitgenossen Bach so sehr gefiel, dass er es für Cembalo bearbeitete, ist auch heute eines der beliebtesten Werke für Oboe - bemerkenswert auch als eines der seltenen Beispiele, bei denen eine zeitgemäße Auszierung überliefert ist. Ihm wurde die saubere und schlichte Interpretation durch die Oboistin Ulrike Bacher mit sanglicher Phrasierung und sorgfältiger Verzierungspraxis gerecht. Das Orchester der Evangelischen Kirche in Hessen & Nassau unter dem sensiblen, ausdrucksvollen Dirigat von Björn Hadem war ein gut vorbereiteter, zuverlässiger Partner. Allerdings hätte eine ausdedünnte Besetzung, vor allem in der Bassgruppe, der Transparenz genutzt und verhindert, dass die Solistin oft klanglich zugedeckt wurde. Das gilt auch für die vokalen Barockwerke des Programms. Der Gitarrist Christopher Brandt war der brillante Interpret des 1939 entstandenen ersten Gitarrenkonzerts von Mario Castelnuovo-Tedesco. In dem gemäßigt modernen, folkloristisch geprägten Stück des Italieners, der während der meisten Lebensjahrzehnte in den USA wirkte, halten Solist und Orchester in reizvoller Weise Zwiesprache. Farbigkeit verlieh ihm der Solist durch virtuosen Wechsel des Anschlags. Hadern ließ das Orchester, besonders dank der Bläsergruppe, den dem Werk innewohnenden Reichtum an Klangfarben wirkungsvoll entfalten.
Heusenstamms Kulturpreisträgerin und musikalischer Liebling Lisa Wedekind hatte Gelegenheit, ihre künstlerische Reife auch im Bereich barocker und geistlicher Musik zu beweisen. Unter den beiden dargebotenen Rezitativen und Arien Händels schien die Arie der Königin von Sabä "Will the sun forget to streak" für ihr warmes Stimm-Timbre geradezu ideal zu sein.
Doch auch das "Et exulta-vit" aus Bachs Magnificat-Vertonung und das "Quae maerebat et dolebat" aus Pergolesis Stabat Mater meisterte sie ansprechend. Ob man freilich solche geistlichen Werke zerpflücken und häppchenweise in einem Konzertprogramm servieren sollte, ist Geschmacksache. Besonders wenig dafür geeignet dürfte das Gebet "Pie Jesu, Domini, dona eis requiem" aus dem Requiem sein, trotz aller überirdischen Schönheit von Faures Vertonung.
Herzlicher Beifall gab es für Solisten, Orchester und den frischgebackenen Diplom-Kapellmeister.

Mitteilung vom:
erschienen in:

08.09.2001
Offenbach Post


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