Heusenstamm (schu) - Die spätsommerliche musikalische Soiree des Fördervereins der
Balthasar-Neumann-Kirche St. Cäcilia kam einer neuen Bedeckung der Krypta, den
Epithaphien und der Restaurierung der Flammvasen am Turm zugute, denn die beteiligten
Künstler hatten auf ihr Honorar verzichtet.
Ein mehrheitlich barockes Programm zog so viele Musikfreunde an, dass die Plätze in der
Kirche kaum ausreichten. Schwerpunkte bildeten zwei Instrumentalkonzerte. Das
d-moll-Konzert des Venezianers Alessandro Marcello, das schon seinem jüngeren
Zeitgenossen Bach so sehr gefiel, dass er es für Cembalo bearbeitete, ist auch heute
eines der beliebtesten Werke für Oboe - bemerkenswert auch als eines der seltenen
Beispiele, bei denen eine zeitgemäße Auszierung überliefert ist. Ihm wurde die saubere
und schlichte Interpretation durch die Oboistin Ulrike Bacher mit sanglicher Phrasierung
und sorgfältiger Verzierungspraxis gerecht. Das Orchester der Evangelischen Kirche in
Hessen & Nassau unter dem sensiblen, ausdrucksvollen Dirigat von Björn Hadem war ein
gut vorbereiteter, zuverlässiger Partner. Allerdings hätte eine ausdedünnte Besetzung,
vor allem in der Bassgruppe, der Transparenz genutzt und verhindert, dass die Solistin oft
klanglich zugedeckt wurde. Das gilt auch für die vokalen Barockwerke des Programms. Der
Gitarrist Christopher Brandt war der brillante Interpret des 1939 entstandenen ersten
Gitarrenkonzerts von Mario Castelnuovo-Tedesco. In dem gemäßigt modernen, folkloristisch
geprägten Stück des Italieners, der während der meisten Lebensjahrzehnte in den USA
wirkte, halten Solist und Orchester in reizvoller Weise Zwiesprache. Farbigkeit verlieh
ihm der Solist durch virtuosen Wechsel des Anschlags. Hadern ließ das Orchester,
besonders dank der Bläsergruppe, den dem Werk innewohnenden Reichtum an Klangfarben
wirkungsvoll entfalten.
Heusenstamms Kulturpreisträgerin und musikalischer Liebling Lisa Wedekind hatte
Gelegenheit, ihre künstlerische Reife auch im Bereich barocker und geistlicher Musik zu
beweisen. Unter den beiden dargebotenen Rezitativen und Arien Händels schien die Arie der
Königin von Sabä "Will the sun forget to streak" für ihr warmes Stimm-Timbre
geradezu ideal zu sein.
Doch auch das "Et exulta-vit" aus Bachs Magnificat-Vertonung und das "Quae
maerebat et dolebat" aus Pergolesis Stabat Mater meisterte sie ansprechend. Ob man
freilich solche geistlichen Werke zerpflücken und häppchenweise in einem Konzertprogramm
servieren sollte, ist Geschmacksache. Besonders wenig dafür geeignet dürfte das Gebet
"Pie Jesu, Domini, dona eis requiem" aus dem Requiem sein, trotz aller
überirdischen Schönheit von Faures Vertonung.
Herzlicher Beifall gab es für Solisten, Orchester und den frischgebackenen
Diplom-Kapellmeister.
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