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Stand 22. Okt. 2001

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Klangvolle "Bilder einer Ausstellung"

St. Cäcilia: Der Organist Detlef Steffenhagen und sein Verständnis von Mussorgskys Klavierkonzert

Heusenstamm (schu) - Mussorgskys “Bilder einer Ausstellung” ist zwar als Klavierkonzert konzipiert, doch die farbige Programmmusik reizte schon Ravel zur Orchester-Instrumenisierung. So überraschte es nicht, dass der Organist Detlef Steffenhagen, der sich mit seiner Transkription von Vivaldis “Vier Jahreszeiten” weltweite Erfolge erspielt hat, sich auch den russischen Publikumsliebling zur Bearbeitung vornahm.
Auf Einladung des Fördervereins St. Cäcilia trat er zum dritten Mal in Heusenstamm auf. Der Orgel von St. Cäcilia entlockte er alle ihre Möglichkeiten und erzielte durch fantasievolle Registrierung, häufige Manualwechsel und Umregisterierungen innerhalb der Sätze beeindruckende Klangeffekte. Die Promenade zwischen den Bildern registrierte er jeweils verschieden. Mit Zungenregister ließ er misstönig hell den “Gnom” ertönen, über ein Pedal-Ostinato sich das “Alte Schloss” erheben. Überzeugend polterte im “Bydlo”-Satz ein Ochsenkarren und dröhnten gruselig die “Katakomben”. Zur Apothese des Themas vereinigte sich das volle Orgelwerk.
Man fragte sich, warum ein Musiker wie Steffenhagen es nötig hat, auf Publikumsschlager wie die vielfach misshandelte Air aus Bachs 3. Orchestersuite zurückzugreifen. Eher verständlich war die Bearbeitung des 3. Brandenburgischen Konzerts. Von den übrigen fünf der dem Markgrafen von Brandenburg gewidmeten Konzerte unterscheidet es sich zwar dadurch, dass Bach hier keine Solistengruppen einsetzt. Doch die Concertogrosso-Struktur bietet eine gute kompositorische Vorlage für die Ausführung auf der Orgel. Die organistischen Möglichkeiten des Klangfarbenwechsels demonstrierte Steffenhagen auch hier ausgiebig. Nur schade, dass durch die rasanten Tempi die schnellen Sätze nicht nur überhastet und verschwommen wirkten, sondern das Ganze gefährlich nahe an den Effekt einer Jahrmarktsorgel rückte.
Die Straßenmusik zog dann wirklich in die Kirche ein, wie Steffenhagen schon in seinen einleitenden Erklärungen angekündigt hatte. Denn der Pariser Organist Louis Lefébure-Wèly, Schüler von Helèvy und Adam und selbst Opernkomponist, bedient sich in seiner “Sortie” in Es-Dur kräftig opernhafter und anderer populärer Musik. Vergnüglich war das Stück allemal. Steffenhagen ließ sich nicht lange um eine Zugabe bitten und aus seiner Vivaldi-Transkription den Winter und - seiner jetzigen brasilianischen Heimat eingedenk - den Frühling erklingen.

Foto: Michael

Entlockte der Orgel in der St. Cäcilia-Kirche Töne, die ihr sonst niemand entlocken kann: Der heute in Brasilien lebende Organist Detlef Steffenhagen. Das Publikum nahm seine Kunst erfreut auf; bedachte sie mit Beifall.

Mitteilung vom:
erschienen in:

22.10.2001
Offenbach Post


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