Klangvolle "Bilder einer Ausstellung"
St. Cäcilia: Der Organist Detlef Steffenhagen
und sein Verständnis von Mussorgskys Klavierkonzert
|
Heusenstamm (schu) - Mussorgskys Bilder einer Ausstellung ist zwar als
Klavierkonzert konzipiert, doch die farbige Programmmusik reizte schon Ravel zur
Orchester-Instrumenisierung. So überraschte es nicht, dass der Organist Detlef
Steffenhagen, der sich mit seiner Transkription von Vivaldis Vier Jahreszeiten
weltweite Erfolge erspielt hat, sich auch den russischen Publikumsliebling zur Bearbeitung
vornahm.
Auf Einladung des Fördervereins St. Cäcilia trat er zum dritten Mal in Heusenstamm auf.
Der Orgel von St. Cäcilia entlockte er alle ihre Möglichkeiten und erzielte durch
fantasievolle Registrierung, häufige Manualwechsel und Umregisterierungen innerhalb der
Sätze beeindruckende Klangeffekte. Die Promenade zwischen den Bildern registrierte er
jeweils verschieden. Mit Zungenregister ließ er misstönig hell den Gnom
ertönen, über ein Pedal-Ostinato sich das Alte Schloss erheben. Überzeugend
polterte im Bydlo-Satz ein Ochsenkarren und dröhnten gruselig die
Katakomben. Zur Apothese des Themas vereinigte sich das volle Orgelwerk.
Man fragte sich, warum ein Musiker wie Steffenhagen es nötig hat, auf Publikumsschlager
wie die vielfach misshandelte Air aus Bachs 3. Orchestersuite zurückzugreifen. Eher
verständlich war die Bearbeitung des 3. Brandenburgischen Konzerts. Von den übrigen
fünf der dem Markgrafen von Brandenburg gewidmeten Konzerte unterscheidet es sich zwar
dadurch, dass Bach hier keine Solistengruppen einsetzt. Doch die Concertogrosso-Struktur
bietet eine gute kompositorische Vorlage für die Ausführung auf der Orgel. Die
organistischen Möglichkeiten des Klangfarbenwechsels demonstrierte Steffenhagen auch hier
ausgiebig. Nur schade, dass durch die rasanten Tempi die schnellen Sätze nicht nur
überhastet und verschwommen wirkten, sondern das Ganze gefährlich nahe an den Effekt
einer Jahrmarktsorgel rückte.
Die Straßenmusik zog dann wirklich in die Kirche ein, wie Steffenhagen schon in seinen
einleitenden Erklärungen angekündigt hatte. Denn der Pariser Organist Louis
Lefébure-Wèly, Schüler von Helèvy und Adam und selbst Opernkomponist, bedient sich in
seiner Sortie in Es-Dur kräftig opernhafter und anderer populärer Musik.
Vergnüglich war das Stück allemal. Steffenhagen ließ sich nicht lange um eine Zugabe
bitten und aus seiner Vivaldi-Transkription den Winter und - seiner jetzigen
brasilianischen Heimat eingedenk - den Frühling erklingen.

Foto: Michael |
|
Entlockte der Orgel in der St.
Cäcilia-Kirche Töne, die ihr sonst niemand entlocken kann: Der heute in Brasilien
lebende Organist Detlef Steffenhagen. Das Publikum nahm seine Kunst erfreut auf; bedachte
sie mit Beifall.
|
Mitteilung vom:
erschienen in: |
22.10.2001
Offenbach Post |
zurück zum Presseüberblick
|
|