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Stand 13. Nov. 2001

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“Mer babbelt halt öfter mal so Zeuch”

Erstes Allgemeines Babenhäuser Pfarrer-Kabarett

Heusenstamm (M.) - Vielleicht werden die Vertreter der großen Kirchen wieder mehr gehört, wenn sie dem Volk häufiger aufs Maul schauen. Die Theologen Hans-Joachim Greifenstein und Claus-Jochen haben's getan und das “Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabarett” gegründet. Am Sonntag amüsierte es eine ökumenische Gemeinschaft im Pfarrheim St. Cäcilia zwei Stunden lang.

So also wirkt eine verschärfte Fastnachtssitzung. Ein (denk-)würdiger Auftakt für die fünfte Jahreszeit, sofern der coole Auftritt in T-Shirt und Jeans vor karnevalistischer Kulisse geplant gewesen wäre. War er aber nicht, obwohl gerade die spitze Zunge aus berufenem Munde dem usprünglichen Sinn der Fastnacht entspricht. Im Saal vereinten die Gottesmänner jedenfalls nahezu 400 evangelische und katholische Christen, vielleicht auch ein paar Atheisten. Sie hätten die treffsicheren Seitenhiebe Hände reibend als Kritik an Mutter Kirche verstanden, und damit falsch. Die Pfarrersleut' zielten mit Onkel Erwins Fernglas auf allzu Menschliches vor Ort - einfach göttlich!
Da gab's konkrete Aneitungen für die Kollegen, wie Gemeindeangehörige für den Kirchenvorstand erwärmt werden: “Da wird ein neues Gesetz geplant, dass nur noch Vegetarier konfirmiert werden!” .... Thema für den lieben Herrn Pfarrer ist freilich auch Erwin, der die Nachbarschaft stets im Blick hat, die lebende und die tote! Und dann sollte sich ein Seelsorger auch der Fragen, die die Welt bewegen, annehmen. Zum Beispiel, warum man einen Termin beim Hellseher braucht, und warum im Flugzeug immer Schwimmwesten anstatt Fallschirme bereitstehen oder Schwimmen dann doch nicht so gesund zu sein scheint. Aus welchem Grund sind sonst Blauwale so rund!
Die Kirche sorgt sich aber auch um die Politik um den “Durchlaucht-Erhitzer” Scharping und - die deutsche “Light-Kultur”. Sperma light, zum Beispiel, macht schwanger, aber nicht dick! Einen idealen Pfarrer gibt es nicht? Falsch! Im Publikum saßen die Kandidaten für den Leihservice “Rent A Pastor: den kann man benutzen, abnutzen, ausnutzen und am Ende wieder zurückgeben. Das konservative S-Klasse-Modell, die feministische Martha, aufrüstbar bis Stufe “Alice - Schwarzer”, oder einen Ökofreak mit Jesuslatschen, der wegen seiner Computerkenntnisse etwas teurer ausfällt. Mit heiß und rot gelachten Köpfen galt das Urteil “Mer babbelt halt öfter mal so Zeuch!”

Foto: Michael

Würde Gott bei Kardinal Ratzinger beichten, sind sich die Pfarrer Greifenstein und Herrmann einig, müsste er mit seinem Ausschluss aus der katholischen Kirche rechnen. Gäste im Pfarrheim mussten hingegen damit rechnen, für den Pfarrer-Verleih herangezogen zu werden. Die zwei Mundwerker ließen kein Auge trocken.

Mitteilung vom:
erschienen in:

13.11.2001
Offenbach Post


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