Heusenstamm (Schi) Die Kolpingsfamilie Heusenstamm hat in der vergangenen Woche den elften
Container mit Hilfsgütern in Richtung Eritrea auf den Weg gebracht. Der im März diesen
Jahres zusammengestellte zehnte Container ist nach Auskunft der Kapuziner-Schwestern ohne
Probleme gut angekommen.
Der Inhalt der beiden Schiffs-Container deckt ein großes Spektrum an Hilfe ab. So
erhalten die beiden Krankenhäuser in Enghela und Feledareb 200 Pakete mit
Verbandsmaterial sowie Spritzen, komplett ausgestattete Betten mit viel zusätzlicher
Bettwäsche und Wolldecken, Untersuchungsliegen, Roll-/Krankenstühle und auch Krücken.
Im bereits in Eritrea angekommenen Container waren außerdem dringend benötigte
Medikamente im Wert von 13.000 Euro.
Für die vier von den Schwestern unterhaltenen Ausbildungszentren für Kriegswitwen waren
die 20 Nähmaschinen, ein Webstuhl, eine Handstrickmaschine und viele Pakete mit
Stoffen, Wolle und Nähbedarf bestimmt. Die Mehrzahl der von den Kolpingern in den
vergangenen Wochen gepackten 600 Pakete enthielt die von zahllosen Menschen in
Heusenstamm, der Stadt Offenbach und dem Landkreis gespendete Kleidung, Schuhe,
Handtücher und auch Plüschtiere, für das Flüchtlingslager in Endab
Stifanos. Das bisher nur wenige Kilometer vom Krankenhaus in Enghela entfernte und
in den letzten drei Jahren von der Kolpingsfamilie Heusenstamm unterstützte Lager
Deda wurde aufgelöst. Die dort zunächst untergebrachten 4.000 Flüchtlinge
wurden näher zur äthiopischen Grenze verlagert. Die Gesamtzahl der
Flüchtlinge, die meist nur in Zelten oder provisorisch hergerichteten Hütten leben
müssen, liegt nun bei 10.000, davon etwa 6.000 Kinder.
Wie ein Besuch im Oktober des vergangenen Jahres durch den Kolping-Beauftragten zeigte,
ist die medizinische Versorgung katastrophal. Neben dem aus Heusenstamm geschickten
großen Krankenzelt gibt es nur eine bescheidene Krankenstation (Raumgröße circa sechs
Quadratmeter). Hier arbeitet ein von der Regierung beauftragter ehemaliger Kämpfer als
Arzt. Dessen Ausbildung besteht darin, dass er im Feldlazarett den Ärzten
zuschaute und Handreichungen ausführte. Das Krankenhaus von Enghela ist 35 Kilometer
entfernt. Den Kranken bleibt nur der mehrstündige Fußweg oder Transport per Esel oder
Kamel, was jedoch in akuten Fällen den Tod bedeutet. Und oft trifft es unterernährte
Kinder.
Die Kolpingsfamilie hat aus diesem Anlass die Situation im Lager dokumentiert und um Hilfe
beim Kindermissionswerk gebeten. Nun wurde dort positiv reagiert und der Kauf eines neuen
Ambulanz-Fahrzeuges bewilligt. Bei den Kapuziner-Schwestern, die inzwischen die Versorgung
der Kranken im Lager übernommen haben, löste diese Information große Freude aus. In
diesem Telefongespräch wurde den Heusenstammern mitgeteilt, dass sich die Lage im Lager
generell nicht gebessert und man mit der Verteilung der Spenden aus dem ersten Container
begonnen habe. Der zuständige Lagerleiter wurde mit den Worten zitiert: Alle haben
uns hier schon vergessen und nur die Pakete aus Heusenstamm zeigen uns, dass es noch
Menschen gibt, die an uns denken!
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