Heusenstamm (schu) Seit
längerem nicht mehr erklang die Orgel von St. Cäcilia so barock und fröhlich wie im
Vortrag des Frankfurter Domorganisten und Kirchenmusikdirektors Hans-Otto Jakob. Im Rahmen
des Kultursommers Südhessen und der Reihe "Domorganisten in Südhessens
Kirchen" hatte der Förderverein zum Orgelkonzert eingeladen. Schon bei Toccata,
Adagio und Fuge BWV 564 des jungen Bach fielen die geschmackvolle Registrierkunst und das
transparente Spiel des Organisten auf.
Das in Bachs Werk einzigartige Stück aus seiner Hoforganisten- und Kapellmeisterzeit am
Weimarer Hof ließ Jakob mit ganz hell registriertem Passagenwerk angehen und
kontrastierte den AdagioMittelsatz zurückhaltend mit Zungenstimmen-Klangfarbe und
Tremolo-Effekt. Die Tripeltakt-Fuge mit ihrem norddeutsch langatmigen Thema spielte er
frisch, schwungvoll und mit Schlusssteigerung ohne Bombast.
Der späte, bereits berühmte Meister Mozart war sich nicht zu schade, ein dreisätziges
Stück für das Orgelwerk einer Uhr zu schreiben und den pathetiscben Fanfaren-Mittelteil
anspruchsvoll, nicht ohne ein paar kecke harmonische Ausflüge auszustatten. Weich, mit
der ursprünglichen Funktion angemessener klanglicher Zurückhaltung, jedoch mit
kontrastierender, Registrierung präsentierte Jakob die kleine Kostbarkeit.
Als Neuentdeckungen für Laien folgten kürzere Werke von Eugène Gigout, Alfred Hollins
und Cor Kee. Der in Paris wirkende französische Romantiker, Schüler von Saint-Saens, hat
den Organisten reichlich Orgelstücke in verschiedenen Stilrichtungen hinterlassen. Jakob
wählte ein verspieltes Scherzo, das er sehr farbig und plastisch registrierte, und ein
folkloristisch wirkendes, eher walzermäßiges Minuetto. Der von Kindheit an blinde Brite
Alfred Hollins war seinerzeit als Orgel- und Klaviervirtuose weltberühmt. Sein
"Trumpett Minuett" im Stil der alten Engländer, modern modifiziert, ist ein
Ohrwurm, wie ihn das Inselvolk liebt. Auch ihm widmete Jakob sorgfältige Agogik und
Phrasierung. Er beschloss das Programm mit Thema und Variationen über den alten
niederländischen Choral "Merck Toch Hoe Sterck" vom erst Ende vorigen
Jahrhunderts verstorbenen Holländer Cor Kee, der vor allem mit Orgelbearbeitungen
liturgischer Vorlagen und Psalmen hervorgetreten ist. Der liebevoll differenzierten
Darbietung war anzumerken, dass die fantasievolle Variationenreihe dem Organisten ebenso
Freude machte wie dem Publikum.
Das Konzert hatte nur einen Fehler: Es war trotz Zugabe zu kurz.
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