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Stand 25. Sept. 2002

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Neuentdeckung auf der Cäciliä-Orgel
Frankfurter Domorganist Hans-Otto Jakob im Gotteshaus
Heusenstamm (schu) • Seit längerem nicht mehr erklang die Orgel von St. Cäcilia so barock und fröhlich wie im Vortrag des Frankfurter Domorganisten und Kirchenmusikdirektors Hans-Otto Jakob. Im Rahmen des Kultursommers Südhessen und der Reihe "Domorganisten in Südhessens Kirchen" hatte der Förderverein zum Orgelkonzert eingeladen. Schon bei Toccata, Adagio und Fuge BWV 564 des jungen Bach fielen die geschmackvolle Registrierkunst und das transparente Spiel des Organisten auf.
Das in Bachs Werk einzigartige Stück aus seiner Hoforganisten- und Kapellmeisterzeit am Weimarer Hof ließ Jakob mit ganz hell registriertem Passagenwerk angehen und kontrastierte den Adagio­Mittelsatz zurückhaltend mit Zungenstimmen-Klangfarbe und Tremolo-Effekt. Die Tripeltakt-Fuge mit ihrem norddeutsch langatmigen Thema spielte er frisch, schwungvoll und mit Schlusssteigerung ohne Bombast.
Der späte, bereits berühmte Meister Mozart war sich nicht zu schade, ein dreisätziges Stück für das Orgelwerk einer Uhr zu schreiben und den pathetiscben Fanfaren-Mittelteil anspruchsvoll, nicht ohne ein paar kecke harmonische Ausflüge auszustatten. Weich, mit der ursprünglichen Funktion angemessener klanglicher Zurückhaltung, jedoch mit kontrastierender, Registrierung präsentierte Jakob die kleine Kostbarkeit.
Als Neuentdeckungen für Laien folgten kürzere Werke von Eugène Gigout, Alfred Hollins und Cor Kee. Der in Paris wirkende französische Romantiker, Schüler von Saint-Saens, hat den Organisten reichlich Orgelstücke in verschiedenen Stilrichtungen hinterlassen. Jakob wählte ein verspieltes Scherzo, das er sehr farbig und plastisch registrierte, und ein folkloristisch wirkendes, eher walzermäßiges Minuetto. Der von Kindheit an blinde Brite Alfred Hollins war seinerzeit als Orgel- und Klaviervirtuose weltberühmt. Sein "Trumpett Minuett" im Stil der alten Engländer, modern modifiziert, ist ein Ohrwurm, wie ihn das Inselvolk liebt. Auch ihm widmete Jakob sorgfältige Agogik und Phrasierung. Er beschloss das Programm mit Thema und Variationen über den alten niederländischen Choral "Merck Toch Hoe Sterck" vom erst Ende vorigen Jahrhunderts verstorbenen Holländer Cor Kee, der vor allem mit Orgelbearbeitungen liturgischer Vorlagen und Psalmen hervorgetreten ist. Der liebevoll differenzierten Darbietung war anzumerken, dass die fantasievolle Variationenreihe dem Organisten ebenso Freude machte wie dem Publikum.
Das Konzert hatte nur einen Fehler: Es war trotz Zugabe zu kurz.

Mitteilung vom:
erschienen in:

24.09.2002
Offenbach Post


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