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Stand 28. Dez. 2002

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"Die größte Not vor Ort lindern"
Kirchengemeinden und Rotes Kreuz eröffnen am 3. Februar eine ökumenische Kleiderkammer / Regelmäßige Lebensmittelausgabe geplant

Heusenstamm (mcr) - Nach langen und zeitweise mühsamen Verhandlungen hinter den Kulissen zeichnet sich die Zukunft des ehemaligen Postgebäudes in der Eisenbahnstraße zum Jahreswechsel immer deutlicher ab. Am 3. Februar wird in der Hausnummer 11 eine ökumenische Kleiderkammer eröffnet. Als Betreiber an Bord gehen die Evangelische Kirchengemeinde, die Katholischen Pfarrgemeinden St. Cäcilia und Maria Himmelskron sowie Mariä Opferung Rembrücken, die Freie Evangelische Gemeinde und der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes. Am Ruder hat in den vergangenen Monaten der St. Cäcilia-Diakon Wolfgang Habdank gestanden. Bei den Verhandlungen mit der Stadt, der das Gebäude gehört, legte der Beauftragte aller Beteiligten zuletzt sportlichen Ehrgeiz an den Tag. Aufs Verschnaufen wird er noch warten müssen. Bis Anfang Februar bleiben nur wenige ruhige Minuten.

Leere Räume wecken immer viele Begehrlichkeiten. Favoriten der Kommunalpolitik waren zwischenzeitlich die Nutzung als Haus für Vereine und als Heimat für den Ärztlichen Notdienst, dem im bisherigen Domizil im Keller des Obertshausener Rathauses an der Beethovenstraße die Decke auf den Kopf fällt und Kanalgerüche in die Nase steigen (wir berichteten). Letztere Idee ist noch nicht vom Tisch; die Eisenbahnstraße 11 hat ja mehrere Etagen.
Die Kleiderkammer wird sich mit ihren Beständen gut erhaltener Outfits im Souterrain breit machen; ein früherer Luftschutzkeller soll als Lagerraum und Vorsortierraum dienen. "Hinzu kommen noch Pausenraum und WC für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen", erklärt Habdank. Bis zur Eröffnung muss der Raum gereinigt, neu gestrichen und mit Mobiliar ausgestattet werden. Dies wird im Januar erledigt. Die neuen Mieter wissen vor allem die zentrale Lage des Gebäudes zu schätzen. Zu Fuß, mit Autos und Bussen ist es gut zu erreichen.
Gerade in den vergangenen Wochen sei "die Not mancher Mitbürger so richtig deutlich geworden", sagt der Diakon. "Das war an den Türen der Pfarrhäuser in der Stadt sichtbar. Deshalb sind jetzt schon Überlegungen im Gange, zusätzlich Lebensmittel an Bedürftige auszugeben. Damit soll erreicht werden, dass Menschen nicht immer erst zum Pfarrhaus laufen müssen, wenn der Hunger schon drückt, sondern regelmäßige Zeiten wahrnehmen können."
Die Kleider lagern momentan noch in der heruntergekommenen und beileibe nicht mehr wetterfesten Expressguthalle des alten Bahnhofs. Sie sind zum großen Teil vorsortiert und werden im Januar in die neue Kleiderkammer in der Eisenbahnstrasse gebracht, so dass schon ein gewisser Grundstock vorhanden ist.
Habdank: "Ebenso wurde schon ein Geldbetrag angespart, davon ein Großteil der Kollekte des diesjährigen Bannturm-Gottesdienstes, damit die Nebenkosten und die Miete für die ersten Monate sichergestellt sind. Weitere Geldspenden sind natürlich herzlich willkommen und werden in Form von Lebensmitteln weitergereicht." Die Ausgabezeiten müssen sich wohl danach richten, wie viele ehrenamtliche Helfer wann Zeit haben und wann es den größten Bedarf gibt.
"Die Kleider selbst werden zu einem symbolischen Preis ,verkauft', damit die Kunden nicht das Gefühl haben, ein Almosen zu erhalten." Von dem Erlös werden nach Abzug der Miet- und Nebenkosten ebenfalls Lebensmittel gekauft und, falls etwas übrig bleibt, eine soziale Heusenstammer Einrichtung unterstützt. Welche, das werden die Ehrenamtlichen entscheiden.
Wolfgang Habdank: "Die Einrichtung einer Ökumenischen Kleiderkammer ist ein Angebot der Pfarreien und des Deutschen Roten Kreuzes, mitgetragen durch die Stadt Heusenstamm, um die größte Not vor Ort zu lindern. Gleichzeitig soll hier ein deutliches Zeichen gesetzt werden gegen alle Zeichen von Pessimismus in der heutigen Zeit. Nicht über die Not klagen", sagt der Diakon, "sondern aktiv die Not lindern."
Wer die Kleiderkammer als Luxus für die Bedürftigen halte, habe den Sinn und Zweck der Einrichtung nicht richtig verstanden. Luxus klinge überheblich und anmaßend; vielmehr aber seien Not und Bedürftigkeit Ausdruck einer Gesellschaft, "in der Wenige Viel besitzen und gut leben, wogegen eine große Mehrheit aufgrund unverschuldeter Not wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit in Armut über die Runden kommen muss. Die steigenden Lebenshaltungskosten tun ein Übriges dazu. Oftmals sind es Menschen unter uns, die sich dafür schämen und schwer tun und für die das Wort Luxus völlig unangemessen und tief verletzend ist. Die Liebe Gottes zu den Menschen bringen - das möchten alle Beteiligten zusammen umsetzen."
Unsere Zeitung wird das Projekt begleiten und die Öffnungszeiten veröffentlichen, sobald sie festgelegt wurden.


Foto: Reinsch


Im Souterrain des ehemaligen Post-Domizils in der Eisenbahnstraße 11 richten die evangelischen und katholischen Pfarrgemeinden bis Anfang Februar eine Ökumenische Kleiderkammer ein. Weil immer mehr Menschen unverschuldet in Not geraten, soll es auch eine Essensausgabe geben.

Mitteilung vom:
erschienen in:

28.12.2002
Offenbach Post


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