"Die größte Not vor Ort lindern"
Kirchengemeinden und Rotes Kreuz eröffnen am 3.
Februar eine ökumenische Kleiderkammer / Regelmäßige Lebensmittelausgabe geplant |
Heusenstamm (mcr) - Nach langen und zeitweise mühsamen Verhandlungen hinter den
Kulissen zeichnet sich die Zukunft des ehemaligen Postgebäudes in der Eisenbahnstraße
zum Jahreswechsel immer deutlicher ab. Am 3. Februar wird in der Hausnummer 11 eine
ökumenische Kleiderkammer eröffnet. Als Betreiber an Bord gehen die Evangelische
Kirchengemeinde, die Katholischen Pfarrgemeinden St. Cäcilia und Maria Himmelskron sowie
Mariä Opferung Rembrücken, die Freie Evangelische Gemeinde und der Ortsverband des
Deutschen Roten Kreuzes. Am Ruder hat in den vergangenen Monaten der St. Cäcilia-Diakon
Wolfgang Habdank gestanden. Bei den Verhandlungen mit der Stadt, der das Gebäude gehört,
legte der Beauftragte aller Beteiligten zuletzt sportlichen Ehrgeiz an den Tag. Aufs
Verschnaufen wird er noch warten müssen. Bis Anfang Februar bleiben nur wenige ruhige
Minuten.
Leere Räume wecken immer viele Begehrlichkeiten. Favoriten der Kommunalpolitik waren
zwischenzeitlich die Nutzung als Haus für Vereine und als Heimat für den Ärztlichen
Notdienst, dem im bisherigen Domizil im Keller des Obertshausener Rathauses an der
Beethovenstraße die Decke auf den Kopf fällt und Kanalgerüche in die Nase steigen (wir
berichteten). Letztere Idee ist noch nicht vom Tisch; die Eisenbahnstraße 11 hat ja
mehrere Etagen.
Die Kleiderkammer wird sich mit ihren Beständen gut erhaltener Outfits im Souterrain
breit machen; ein früherer Luftschutzkeller soll als Lagerraum und Vorsortierraum dienen.
"Hinzu kommen noch Pausenraum und WC für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen",
erklärt Habdank. Bis zur Eröffnung muss der Raum gereinigt, neu gestrichen und mit
Mobiliar ausgestattet werden. Dies wird im Januar erledigt. Die neuen Mieter wissen vor
allem die zentrale Lage des Gebäudes zu schätzen. Zu Fuß, mit Autos und Bussen ist es
gut zu erreichen.
Gerade in den vergangenen Wochen sei "die Not mancher Mitbürger so richtig deutlich
geworden", sagt der Diakon. "Das war an den Türen der Pfarrhäuser in der Stadt
sichtbar. Deshalb sind jetzt schon Überlegungen im Gange, zusätzlich Lebensmittel an
Bedürftige auszugeben. Damit soll erreicht werden, dass Menschen nicht immer erst zum
Pfarrhaus laufen müssen, wenn der Hunger schon drückt, sondern regelmäßige Zeiten
wahrnehmen können."
Die Kleider lagern momentan noch in der heruntergekommenen und beileibe nicht mehr
wetterfesten Expressguthalle des alten Bahnhofs. Sie sind zum großen Teil vorsortiert und
werden im Januar in die neue Kleiderkammer in der Eisenbahnstrasse gebracht, so dass schon
ein gewisser Grundstock vorhanden ist.
Habdank: "Ebenso wurde schon ein Geldbetrag angespart, davon ein Großteil der
Kollekte des diesjährigen Bannturm-Gottesdienstes, damit die Nebenkosten und die Miete
für die ersten Monate sichergestellt sind. Weitere Geldspenden sind natürlich herzlich
willkommen und werden in Form von Lebensmitteln weitergereicht." Die Ausgabezeiten
müssen sich wohl danach richten, wie viele ehrenamtliche Helfer wann Zeit haben und wann
es den größten Bedarf gibt.
"Die Kleider selbst werden zu einem symbolischen Preis ,verkauft', damit die Kunden
nicht das Gefühl haben, ein Almosen zu erhalten." Von dem Erlös werden nach Abzug
der Miet- und Nebenkosten ebenfalls Lebensmittel gekauft und, falls etwas übrig bleibt,
eine soziale Heusenstammer Einrichtung unterstützt. Welche, das werden die Ehrenamtlichen
entscheiden.
Wolfgang Habdank: "Die Einrichtung einer Ökumenischen Kleiderkammer ist ein Angebot
der Pfarreien und des Deutschen Roten Kreuzes, mitgetragen durch die Stadt Heusenstamm, um
die größte Not vor Ort zu lindern. Gleichzeitig soll hier ein deutliches Zeichen gesetzt
werden gegen alle Zeichen von Pessimismus in der heutigen Zeit. Nicht über die Not
klagen", sagt der Diakon, "sondern aktiv die Not lindern."
Wer die Kleiderkammer als Luxus für die Bedürftigen halte, habe den Sinn und Zweck der
Einrichtung nicht richtig verstanden. Luxus klinge überheblich und anmaßend; vielmehr
aber seien Not und Bedürftigkeit Ausdruck einer Gesellschaft, "in der Wenige Viel
besitzen und gut leben, wogegen eine große Mehrheit aufgrund unverschuldeter Not wie
Arbeitslosigkeit oder Krankheit in Armut über die Runden kommen muss. Die steigenden
Lebenshaltungskosten tun ein Übriges dazu. Oftmals sind es Menschen unter uns, die sich
dafür schämen und schwer tun und für die das Wort Luxus völlig unangemessen und tief
verletzend ist. Die Liebe Gottes zu den Menschen bringen - das möchten alle Beteiligten
zusammen umsetzen."
Unsere Zeitung wird das Projekt begleiten und die Öffnungszeiten veröffentlichen, sobald
sie festgelegt wurden.
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Im Souterrain des ehemaligen Post-Domizils in der Eisenbahnstraße 11 richten die
evangelischen und katholischen Pfarrgemeinden bis Anfang Februar eine Ökumenische
Kleiderkammer ein. Weil immer mehr Menschen unverschuldet in Not geraten, soll es auch
eine Essensausgabe geben.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
28.12.2002
Offenbach Post |
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