Unverschlossene Türen öffnen
Das 15. Heusenstammer Heft beschäftigt sich mit den
"Heiligen Räumen"
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Heusenstamm (M.) Kaum eines der bisher veröffentlichten 14 Heusenstammer Hefte vereinte
so viele Autoren wie der 15. Band dieser Reihe, der gestern Morgen im Bürgermeisterzimmer
vorgestellt wurde. Das Treffen glich einer ökumenischen Konferenz und unterstrich eine
große Einigkeit zwischen den evangelischen und den katholischen Vertretern. Gemeinsam
dokumentierten sie auf 70 Seiten die Besuche der "Heiligen Räume" in der
Schlossstadt. Das eigenwillige Konzept, mit dem Interessierte ein Gotteshaus zunächst auf
eigene Faust erkunden, fand mit insgesamt 500 Teilnehmern bei fünf Terminen einen
ungeahnten Anklang und wird derzeit in Rodgau fortgesetzt.
Die Veranstaltungsreihe wird von Herbert Margraf für die Katholische Erwachsenenbildung
Südhessen und Jörg Engelmann von der Evangelischen Erwachsenenbildung Dreieich,
Offenbach und Rodgau geleitet. Sie knüpfen Kontakte in die Kirchengemeinden der Region,
arbeiten mit Zeitzeugen und Hauptamtlichen vor Ort zusammen. Auch die Kreisvolkshochschule
sitzt mit im Boot, um einen größeren Kreis interessierte Bewohner anzusprechen.
Keinesfalls, betont Pfarrerin Karin Härle, sollte mit diesem Angebot missioniert werden,
um neue "Schäfchen" zu gewinnen.
m Gegenteil: Die Theologin beobachtete, dass mit der Idee den Besuchern die Schwellenangst
gesenkt werde, mal ein Gotteshaus der jeweils anderen Konfession näher kennenzulernen.
"Sie öffnet Türen und Menschen", sagte die Seelsorgerin und berichtete, dass
nun Mitglieder ihrer Gemeinde auch mal einen katholischen Gottesdienst mitfeierten. So ist
es nicht verwunderlich, dass kaum die Hälfte der Teilnehmer aus der jeweiligen Pfarrei
stammte, wie Franz Stein (Maria Himmelskron) feststellte.
Engelmann erzählte von einem Gast, der jeden Morgen im Stau an der evangelischen Kirche
in Dreieich-Offenthal vorbeischleicht. Jetzt ergriff er die Gelegenheit beim Schopfe, das
Gebäude auch von innen zu besehen. Margraf kam nach dem offiziellen Programm ins
Gespräch mit einem Atheisten, der entgegen seiner Erziehung Aspekte des Glaubens
verstehen möchte: "Ich habe erfahren, dass mir etwas fehlt", offenbarte der
Berliner dem Leiter. Der ließ sich eigens in mehrtägigen Seminaren für die
"Führungstätigkeit" schulen, erklärte er.
Kern des Modells ist die Aufforderung an die Anwesenden, sich selbst alle Räume und
Perspektiven zu eigen zu machen. Selbst treue Kirchgänger, geriet Karin Härle ins
Plaudern, kannten ihre Kirche nicht aus der Sicht des Zelebranten. Neugierig stöberten
die Besucher durch Sakristei und technische Räume, unterhielten sich mit Organistin und
Küster. "Sie können alle Türen öffnen, die nicht verschlossen sind", lautete
der Standardspruch von Herbert Margraf. Anschließend sollten die "Inspekteure"
ihre Eindrücke schildern. Sie wurden von fachkundigen Gemeindemitgliedern um die
erwünschten Informationen ergänzt.
Freilich, unter den 120 gezählten Wissenshungrigen in der Balthasar-Neumann-Kirche
befanden sich viele, die an Kunsthistorie und der Geschichte ihrer Heimatstadt
interessiert sind. Das Schönbornsche Prachtstück ist schließlich eng mit der
Vergangenheit der Schlossstadt verbunden. Weniger Anklang fand die Öffnung der
Friedhofskapelle, obwohl dieser Raum als einziger wirklich von beiden christlichen
Konfessionen genutzt wird. Doch, "was heiligt diese Räume", hinterfragte
Pfarrerin Härle, da es nach protestantischem Verständnis keine heiligen Orte auf Erden
gibt. Das ist der Grund, warum der Titel in Anführungszeichen steht. Nach den
"heiligen Räumen" in Rodgau sollen jene in den Hanauer Stadtteilen Steinheim
und Klein-Auheim geöffnet werden. Mühlheim und Obertshausen wären dann im nächsten
Jahr dran. Das Werk ist aufwändig gestaltet auf Hochglanzpapier und mit Farbfotos, was
durch Zuschüsse der beiden Kirchen möglich wurde. Es kostet fünf Euro und ist im
Rathaus sowie im örtlichen Buchhandel erhältlich.
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"Buchmacher":
Jörg Engelmann, Herbert Margraf mit den "Heiligen Räumen". |
Mitteilung vom:
erschienen in: |
11.02.2003
Offenbach Post |
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