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Stand 14. Febr. 2003

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Unverschlossene Türen öffnen
Das 15. Heusenstammer Heft beschäftigt sich mit den "Heiligen Räumen"

Heusenstamm (M.) Kaum eines der bisher veröffentlichten 14 Heusenstammer Hefte vereinte so viele Autoren wie der 15. Band dieser Reihe, der gestern Morgen im Bürgermeisterzimmer vorgestellt wurde. Das Treffen glich einer ökumenischen Konferenz und unterstrich eine große Einigkeit zwischen den evangelischen und den katholischen Vertretern. Gemeinsam dokumentierten sie auf 70 Seiten die Besuche der "Heiligen Räume" in der Schlossstadt. Das eigenwillige Konzept, mit dem Interessierte ein Gotteshaus zunächst auf eigene Faust erkunden, fand mit insgesamt 500 Teilnehmern bei fünf Terminen einen ungeahnten Anklang und wird derzeit in Rodgau fortgesetzt.

Die Veranstaltungsreihe wird von Herbert Margraf für die Katholische Erwachsenenbildung Südhessen und Jörg Engelmann von der Evangelischen Erwachsenenbildung Dreieich, Offenbach und Rodgau geleitet. Sie knüpfen Kontakte in die Kirchengemeinden der Region, arbeiten mit Zeitzeugen und Hauptamtlichen vor Ort zusammen. Auch die Kreisvolkshochschule sitzt mit im Boot, um einen größeren Kreis interessierte Bewohner anzusprechen. Keinesfalls, betont Pfarrerin Karin Härle, sollte mit diesem Angebot missioniert werden, um neue "Schäfchen" zu gewinnen.

m Gegenteil: Die Theologin beobachtete, dass mit der Idee den Besuchern die Schwellenangst gesenkt werde, mal ein Gotteshaus der jeweils anderen Konfession näher kennenzulernen. "Sie öffnet Türen und Menschen", sagte die Seelsorgerin und berichtete, dass nun Mitglieder ihrer Gemeinde auch mal einen katholischen Gottesdienst mitfeierten. So ist es nicht verwunderlich, dass kaum die Hälfte der Teilnehmer aus der jeweiligen Pfarrei stammte, wie Franz Stein (Maria Himmelskron) feststellte.

Engelmann erzählte von einem Gast, der jeden Morgen im Stau an der evangelischen Kirche in Dreieich-Offenthal vorbeischleicht. Jetzt ergriff er die Gelegenheit beim Schopfe, das Gebäude auch von innen zu besehen. Margraf kam nach dem offiziellen Programm ins Gespräch mit einem Atheisten, der entgegen seiner Erziehung Aspekte des Glaubens verstehen möchte: "Ich habe erfahren, dass mir etwas fehlt", offenbarte der Berliner dem Leiter. Der ließ sich eigens in mehrtägigen Seminaren für die "Führungstätigkeit" schulen, erklärte er.

Kern des Modells ist die Aufforderung an die Anwesenden, sich selbst alle Räume und Perspektiven zu eigen zu machen. Selbst treue Kirchgänger, geriet Karin Härle ins Plaudern, kannten ihre Kirche nicht aus der Sicht des Zelebranten. Neugierig stöberten die Besucher durch Sakristei und technische Räume, unterhielten sich mit Organistin und Küster. "Sie können alle Türen öffnen, die nicht verschlossen sind", lautete der Standardspruch von Herbert Margraf. Anschließend sollten die "Inspekteure" ihre Eindrücke schildern. Sie wurden von fachkundigen Gemeindemitgliedern um die erwünschten Informationen ergänzt.

Freilich, unter den 120 gezählten Wissenshungrigen in der Balthasar-Neumann-Kirche befanden sich viele, die an Kunsthistorie und der Geschichte ihrer Heimatstadt interessiert sind. Das Schönbornsche Prachtstück ist schließlich eng mit der Vergangenheit der Schlossstadt verbunden. Weniger Anklang fand die Öffnung der Friedhofskapelle, obwohl dieser Raum als einziger wirklich von beiden christlichen Konfessionen genutzt wird. Doch, "was heiligt diese Räume", hinterfragte Pfarrerin Härle, da es nach protestantischem Verständnis keine heiligen Orte auf Erden gibt. Das ist der Grund, warum der Titel in Anführungszeichen steht. Nach den "heiligen Räumen" in Rodgau sollen jene in den Hanauer Stadtteilen Steinheim und Klein-Auheim geöffnet werden. Mühlheim und Obertshausen wären dann im nächsten Jahr dran. Das Werk ist aufwändig gestaltet auf Hochglanzpapier und mit Farbfotos, was durch Zuschüsse der beiden Kirchen möglich wurde. Es kostet fünf Euro und ist im Rathaus sowie im örtlichen Buchhandel erhältlich.

Foto: Michael

"Buchmacher": Jörg Engelmann, Herbert Margraf mit den "Heiligen Räumen".

Mitteilung vom:
erschienen in:

11.02.2003
Offenbach Post

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