Pfarrer Knedelhans steigt aus
Nach drei Jahren erkennt der 41-jährige keine Unterstützung mehr für seine Ziele /
Nachfolger soll im September kommen |
Heusenstamm (Marcus Reinsch) - In diesen Tagen wird bei den Katholiken zwischen
Heusenstamm und Mainz die Kunst diplomatischer Formulierung perfektioniert. Prälat
Giebelmann, angesichts der flotten Pfarrerwechsel der letzten Jahre immer mal wieder auf
Dienstreise in der Schlossstadt, bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung: ,,Der
Verzicht auf die Pfarrei ist der Wunsch von Pfarrer Knedelhans."
Aus heiterem Himmel kam die priesterliche Willensbildung indes nur für völlig unbeleckte
Gottesdienstgänger. Denn Spekulationen, dass sich der Chefsessel wie schon für andere
auch für Knedelhans früher oder später als Schleudersitz erweisen könnte, waren seit
dessen Amtsantritt im Februar 2000 nie völlig aus der Welt zu schaffen. Dass es,
vorsichtig formuliert, wachsende Spannungen zwischen den einzelnen cäcilianischen
Entscheidungsträgern gab, war ein offenes Geheimnis.
Daraus macht der Pfarrer auch in der durchaus selbstkritischen Begründung seines
Rückzugs keinen Hehl: ,,Nachdem ich da einiges versucht und angestoßen habe (vielleicht
auch zu ungestüm und ungeschickt), habe ich an Reaktionen von Einzelpersonen und Gremien
gemerkt, dass ich weder kurz- noch mittelfristig mit diesen Anliegen auf breite
Unterstützung rechnen kann", heißt es im Text, der den nächsten Gottesdienstzettel
prägen soll.
Nun wird Thomas Knedelhans seine Sachen packen, um zunächst drei Monate in einem Kloster
zu verbringen, ,,wo ich lernen will, wie ich 'den Menschen die Sehnsucht nach dem Meer
lehren kann, wenn ich vorhabe, ein Boot zu bauen.' Allen, die mit mir gerne in diesem Boot
zu einer erneuerten Gemeinde gefahren wären und die nun enttäuscht sind über mein
'Aussteigen', kann ich nur sagen: Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht
gemacht."
Zugespitzt hatten sich die Spannungen offenbar seit dem Jahreswechsel. Während der
Pfarrer in der Türkei urlaubte, suchten die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Mechthild
Schreiner, und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Herbert Margraf, in Mainz Prälat
Giebelmann auf. ,,Es ist nicht ungewöhnlich", erklärte der gestern, ,,dass sich die
Leute in solchen Dingen ans Bischöfliche Ordinariat wenden. Es wurde nach Wegen gesucht,
um eine Zusammenarbeit in der Pfarrei zu ermöglichen. Es ging um den Versuch, Probleme zu
lösen." Wie am Ergebnis zu sehen ist, haben sich, gemessen an der offiziellen
Sprachregelung, weder Wege noch Lösungen gefunden. Wohl auch ein Grund für Giebelmann,
die Empfehlung auszusprechen, ,,dass auch der Pfarrgemeinderat mal für sich reflektiert,
was da geschehen ist und wie man für einen künftigen Pfarrer gute Strukturen schaffen
kann." Die bisherigen Strukturen wirken folglich wohl eher abschreckend. Ein heikles
Image, das sich im Kreis potenzieller Nachfolger herumspricht und das sich St. Cäcilia
gerade deshalb kaum leisten kann.
Schon werden Rufe nach dem Rücktritt des Pfarrgemeinderats laut, in den Straßen rund um
die Barockkirche ebenso wie im noch jungen Online-Forum auf der Internetseite. Die
Meinungen könnten gegensätzlicher kaum sein. Und Mechthild Schreiner bringt ihre Sicht
der Dinge mit einem Bibelwort aus dem Buch Jesaja in Einklang: ,, (...) Denkt nicht mehr
an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten (...)".
Der Mainzer Domkapitular zeigt sich dennoch optimistisch, dass sich, ob nun Boot oder
nicht, das Ruder herumreißen lässt. Dass trotz des eklatanten Priestermangels ein
Nachfolger für Heusenstamm gebraucht wird, ist seit knapp drei Wochen bekannt; die Stelle
selbst wurde mittlerweile zum 1. September ausgeschrieben. Giebelmann: Ich denke, wir
werden sie dann auch besetzen können." Während der Übergangszeit wird Dekan
Johannes Schmitt-Helfferich, der direkte Vorgesetzte Knedelhans`, alle Amtsgeschäfte der
Pfarrei St. Cäcilia übernehmen. Ein Mainzer Priester wird Gottesdienste halten. Und
natürlich arbeitet Diakon Wolfgang Habdank unermüdlich weiter.
Nun ist es an der Zeit für die Gemeinde, den Abschied ihres Pfarrers zu verkraften. Das
wird jeder auf seine eigene Art tun. Viele hatten sich von der bisweilen etwas
unorthodoxen Art Knedelhans` frischen Wind für die traditionsbeladene Gemeinde erhofft
und manche hatten ihn auch gespürt. Andere, konservativere Christen, kritisierten den
41-Jährigen aus eben diesem Grund wiederholt mehr oder weniger offen, warfen ihm falsche
Prioritäten und einen Mangel an Flexibilität vor.
Thomas Knedelhans selbst bereitet gerade seinen Auszug aus dem Pfarrhaus vor. Er wird
Priester bleiben.
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| Kein Abschiedsfoto, sondern ein
Willkommens-Bild. Im Oktober vergangenen Jahres begrüßte Thomas Knedelhans (links)
herzlich den Kollegen Martin Weber als neuen Pfarrer der Schwester-Pfarrei Maria
Himmelskron. Nach seinem Rücktritt am Wochenende braucht Knedelhans nun selbst einen
Nachfolger. Den erhofft sich St. Cäcilia bis September. Unterdessen wird in der
Altstadt-Pfarrei offensiver als sonst darüber diskutiert, warum die Zusammenarbeit
zwischen Gremien, Einzelpersonen und dem Pfarrer nicht so fruchtbar war wie
erwartet. |
Mitteilung vom:
erschienen in: |
25.02.2003
Offenbach Post |
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