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Stand 28. Febr. 2003

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Pfarrer Knedelhans steigt aus

Nach drei Jahren erkennt der 41-jährige keine Unterstützung mehr für seine Ziele / Nachfolger soll im September kommen

Heusenstamm (Marcus Reinsch) - In diesen Tagen wird bei den Katholiken zwischen Heusenstamm und Mainz die Kunst diplomatischer Formulierung perfektioniert. Prälat Giebelmann, angesichts der flotten Pfarrerwechsel der letzten Jahre immer mal wieder auf Dienstreise in der Schlossstadt, bestätigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung: ,,Der Verzicht auf die Pfarrei ist der Wunsch von Pfarrer Knedelhans."
Aus heiterem Himmel kam die priesterliche Willensbildung indes nur für völlig unbeleckte Gottesdienstgänger. Denn Spekulationen, dass sich der Chefsessel wie schon für andere auch für Knedelhans früher oder später als Schleudersitz erweisen könnte, waren seit dessen Amtsantritt im Februar 2000 nie völlig aus der Welt zu schaffen. Dass es, vorsichtig formuliert, wachsende Spannungen zwischen den einzelnen cäcilianischen Entscheidungsträgern gab, war ein offenes Geheimnis.
Daraus macht der Pfarrer auch in der durchaus selbstkritischen Begründung seines Rückzugs keinen Hehl: ,,Nachdem ich da einiges versucht und angestoßen habe (vielleicht auch zu ungestüm und ungeschickt), habe ich an Reaktionen von Einzelpersonen und Gremien gemerkt, dass ich weder kurz- noch mittelfristig mit diesen Anliegen auf breite Unterstützung rechnen kann", heißt es im Text, der den nächsten Gottesdienstzettel prägen soll.
Nun wird Thomas Knedelhans seine Sachen packen, um zunächst drei Monate in einem Kloster zu verbringen, ,,wo ich lernen will, wie ich 'den Menschen die Sehnsucht nach dem Meer lehren kann, wenn ich vorhabe, ein Boot zu bauen.' Allen, die mit mir gerne in diesem Boot zu einer erneuerten Gemeinde gefahren wären und die nun enttäuscht sind über mein 'Aussteigen', kann ich nur sagen: Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht."
Zugespitzt hatten sich die Spannungen offenbar seit dem Jahreswechsel. Während der Pfarrer in der Türkei urlaubte, suchten die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Mechthild Schreiner, und der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Herbert Margraf, in Mainz Prälat Giebelmann auf. ,,Es ist nicht ungewöhnlich", erklärte der gestern, ,,dass sich die Leute in solchen Dingen ans Bischöfliche Ordinariat wenden. Es wurde nach Wegen gesucht, um eine Zusammenarbeit in der Pfarrei zu ermöglichen. Es ging um den Versuch, Probleme zu lösen." Wie am Ergebnis zu sehen ist, haben sich, gemessen an der offiziellen Sprachregelung, weder Wege noch Lösungen gefunden. Wohl auch ein Grund für Giebelmann, die Empfehlung auszusprechen, ,,dass auch der Pfarrgemeinderat mal für sich reflektiert, was da geschehen ist und wie man für einen künftigen Pfarrer gute Strukturen schaffen kann." Die bisherigen Strukturen wirken folglich wohl eher abschreckend. Ein heikles Image, das sich im Kreis potenzieller Nachfolger herumspricht und das sich St. Cäcilia gerade deshalb kaum leisten kann.
Schon werden Rufe nach dem Rücktritt des Pfarrgemeinderats laut, in den Straßen rund um die Barockkirche ebenso wie im noch jungen Online-Forum auf der Internetseite. Die Meinungen könnten gegensätzlicher kaum sein. Und Mechthild Schreiner bringt ihre Sicht der Dinge mit einem Bibelwort aus dem Buch Jesaja in Einklang: ,, (...) Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten (...)".
Der Mainzer Domkapitular zeigt sich dennoch optimistisch, dass sich, ob nun Boot oder nicht, das Ruder herumreißen lässt. Dass trotz des eklatanten Priestermangels ein Nachfolger für Heusenstamm gebraucht wird, ist seit knapp drei Wochen bekannt; die Stelle selbst wurde mittlerweile zum 1. September ausgeschrieben. Giebelmann: Ich denke, wir werden sie dann auch besetzen können." Während der Übergangszeit wird Dekan Johannes Schmitt-Helfferich, der direkte Vorgesetzte Knedelhans`, alle Amtsgeschäfte der Pfarrei St. Cäcilia übernehmen. Ein Mainzer Priester wird Gottesdienste halten. Und natürlich arbeitet Diakon Wolfgang Habdank unermüdlich weiter.
Nun ist es an der Zeit für die Gemeinde, den Abschied ihres Pfarrers zu verkraften. Das wird jeder auf seine eigene Art tun. Viele hatten sich von der bisweilen etwas unorthodoxen Art Knedelhans` frischen Wind für die traditionsbeladene Gemeinde erhofft und manche hatten ihn auch gespürt. Andere, konservativere Christen, kritisierten den 41-Jährigen aus eben diesem Grund wiederholt mehr oder weniger offen, warfen ihm falsche Prioritäten und einen Mangel an Flexibilität vor.
Thomas Knedelhans selbst bereitet gerade seinen Auszug aus dem Pfarrhaus vor. Er wird Priester bleiben.

Foto: Archiv Michael

Kein Abschiedsfoto, sondern ein Willkommens-Bild. Im Oktober vergangenen Jahres begrüßte Thomas Knedelhans (links) herzlich den Kollegen Martin Weber als neuen Pfarrer der Schwester-Pfarrei Maria Himmelskron. Nach seinem Rücktritt am Wochenende braucht Knedelhans nun selbst einen Nachfolger. Den erhofft sich St. Cäcilia bis September. Unterdessen wird in der Altstadt-Pfarrei offensiver als sonst darüber diskutiert, warum die Zusammenarbeit zwischen Gremien, “Einzelpersonen“ und dem Pfarrer nicht so fruchtbar war wie erwartet.

Mitteilung vom:
erschienen in:

25.02.2003
Offenbach Post

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