Brandschutz: "Direkter Draht" ohne Draht
Drei Jahre nach der Renovierung: Ab Donnerstag schlägt Balthasar Neumanns St.
Cäcilia-Kirche ohne Verzögerung Alarm, wenn es brennt |
Heusenstamm (Marcus Reinsch) Am nächsten Donnerstag geht die Brandmeldeanlage
der St. Cäcilia-Kirche "ans Netz". Im Umkehrschluss bedeutet dass, dass die
Rauchmelder im einst vom barocken Star-Architekten Balthasar Neumann für die Grafen von
Schönborn erbauten Gotteshaus seit dem Ende der Renovierung vor drei Jahren bei Gefahr
zwar Krach machen und blinken konnten, aber nicht direkt mit der Feuerwehr verbunden
waren. Warum das so war und ob es wirklich so sein musste, darüber gibt es
unterschiedliche Ansichten.
Der Startschuss freut zunächst einmal alle Beteiligten. Die Heusenstammer Feuerwehr und
ihren Pressesprecher Steffen Ball, weil "wir nun guter Hoffnung sind, dass die an den
Betrieb einer Brandmeldeanlage gestellten Anforderungen erfüllt werden." Den
Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann wegen der "unersetzlichen kulturhistorischen
Werte." Und natürlich den Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde, weil der direkte Draht
zu den Brandschützern ein Plus an Sicherheit für das barocke Kleinod bedeutet.
Wobei das Wort "Draht" eigentlich falsch ist. Üblich ist in solchen Fällen
zwar eine Telefon-Standleitung, dank der die Brandmeldeanlage ohne Zeitverzögerung bei
der Feuerwehr Alarm schlagen kann. Weil das aber sehr teuer ist - eine Standleitung ist
nichts anderes als ein Rund-um-die-Uhr-Telefonat an 365 Tagen im Jahr - hatte die
beauftragte Elektro-Firma bereits zu Renovierungszeiten vorgeschlagen, die Kommunikation
anders zu regeln. Die Verbindung per Funk erfordere keine Telefongebühren.
Allein: Hätte man das nicht früher haben können? Zweifellos barg die bisherige,
reduzierte Funktionsweise der Brandmelder vermeidbare Risiken. Den Signalton hätte im
Ernstfall erst einmal jemand hören, nicht mit einer Auto-Alarmanlage verwechseln und dann
noch den Notruf absetzen müssen, während die Feuerwehr-Leitzentrale in Dietzenbach auch
nachts besetzt ist. Das hätte für die hölzernen Innereien des Dachstuhls und
Glockenturms wertvolle Minuten kosten können.
Andererseits gab es Herbert Margraf, Chef des Cäcilia-Fördervereins und des
Verwaltungsrates, zufolge vor der Gotteshaus-Sanierung gar kein Warnsystem. Margraf:
"Wir haben alle Auflagen erfüllt, die seitens des Kreises und der Stadt gemacht
worden sind." Verzögerungen habe es gegeben, weil es vom Kreis Einwände gab.
"Dort wurde argumentiert, dass diese nicht erprobte Technik nicht sicher genug
sei." Vor kurzem sei nun aber entschieden worden; es sei "einmalig, dass so
etwas per Funk gemacht werden darf." Das spare nun die gesamten Telefongebühren für
die Standleitung.
Für die Feuerwehr ändert sich nichts. Schrillt der Alarm, wird ausgerückt. Damit die
Bauwerk-Retter nicht vor verschlossenen Türen stehen, wird es außerhalb der Kirche einen
Schlüssel-Safe geben. Nötig sind auch Pläne, die die Einsatzkräfte sicher durchs
Gemäuer lotsen. In der Kirche selbst arbeiten zwei lineare Rauchmelder. Wenn ein
Laserstrahl von Rauch unterbrochen wird, ist zunächst akustisch die Hölle los. Turm und
Dachstuhl des Gotteshauses hängen weitere Melder, außerdem eine Sprinkleranlage. Und
Kreisbrandchef Ackermann scheint zufrieden: "Es war nicht ganz einfach, aber wir
haben zusammen eine gute Lösung gefunden."
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Anno 1902 brannte die St. Cäcilia-Kirche letztmals. Damals hatte ein Blitz den Turm
getroffen; von vorbeugendem Brandschutz war damals noch nicht die Rede. Am Donnerstag wird
die Brandmeldeanlage in Betrieb genommen, sprich: direkt zur Feuerwehr geschaltet.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
11.03.2003
Offenbach Post |
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