Pressemitteilungen

Stand 15. Juni 2003

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Die Freude am Diesseits in Wort und Musik


Konzert der Organistin Annegret Kummer in St. Cäcilia

Heusenstamm (schül• Ein Stück Himmel auf Erden zwischen Diesseitigem und Jenseits-Sehnsucht vermitteln nicht nur die bilderreichen Kirchen, sondern auch die Musik des Barocks. In der jüngsten musikalischen Vesper des Fördervereins St. Cäcilia mit Orgelkonzert und Lesungen überwog strahlende Dieseitsfreude.
Die Organistin Annegret Kummer gastierte mit einer wohlüberlegten Auswahl von Werken Bachs, seiner Vorgänger und Lehrmeister. In Übereinstimmung und Wechsel dazu las Sixta Thomas Texte aus dem alten und neuen Testament. Angemessen: Marias fast revolutionäres Glaubenslied “Magnificat” und sein alttestamentarisches Vorbild, der Dankgesang der Prophetin Hanna. Als ein schönes Zeichen für Ökumene kam auch Luther mit seinem kindlich-bildhaften Lied “Nun freut euch, lieben Christen g‘mein” zu Wort, und Musik aus evangelischem Umkreis wurde umrahmt von Werken katholischer Komponisten. Den süddeutschen Barock vertrat eine Passacaglia des fürstbischöflich-passauischen Organisten und Kapellmeisters Georg Muffat.
Die vor ihrer Pensionierung jahrelang in Frankfurt tätige Organistin, einst Schülerin und Assistentin des großen Walcha und Stipendiatin Marcel Duprés in Paris, verlieh den verspielten Variationen durch abwechslungsreiche Registrierung individuelles Gesicht. Gelegenheit zu fein abgestufter Registrierkunst boten auch die Choralbearbeitungen des gregorianischen Magnificats von Buxtehude und des Vaterunsers von Georg Böhm im norddeutschen Orgelstil. Außer Muffat wurde als einem weiteren 35O jährigen Jubilar dem Nürnberger Pachelbel ein Geburtstagsgeschenk dargebracht. Dessen Ciacona-Variationen in f-moll wirkten zwar altväterischer als die Passacaglia seines Zeitgenossen, doch virtuos und keineswegs langweilig. Zahlreiche Querverbindungen gibt es zwischen dem berühmten Orgelmeister, der süd- und norddeutschen Stil verschmolz und auch in Erfurt wirkte, und der Bachfamilie. Von diesem Vorbild konnte Johann Sebastian unter anderem das damals noch nicht überall gängige Pedalspiel lernen.
In der ersten der beiden Bachschen Choralbearbeitungen des Programms erklang der Cantus firmus des Pfingsthymnus “Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist” umspielt und silberhell zuerst manualiter, dann in großer Steigerung im Pedal. Mit klanglicher Plastizität setzte die Organistin auch im Lied “Nun freut euch lieben Christen g'mein” den Choral gegen die virtuose Oberstimme und den Pedalbass ab.
Der freundlichen Vision Jesajas von einem Reich des Friedens schloß sich eine fröhliche Sonate des Frühklassikers Franz Xaver Schnitzer an. Sie entließ mit zartem Gambenklang einen genussvoll lauschenden Zuhörerkreis.

Mitteilung vom:
erschienen in:

14.06.2003
Offenbach Post


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