Die Freude am Diesseits in Wort und Musik
Konzert der Organistin Annegret Kummer in St. Cäcilia |
Heusenstamm (schül Ein Stück Himmel auf Erden zwischen Diesseitigem und
Jenseits-Sehnsucht vermitteln nicht nur die bilderreichen Kirchen, sondern auch die Musik
des Barocks. In der jüngsten musikalischen Vesper des Fördervereins St. Cäcilia mit
Orgelkonzert und Lesungen überwog strahlende Dieseitsfreude.
Die Organistin Annegret Kummer gastierte mit einer wohlüberlegten Auswahl von Werken
Bachs, seiner Vorgänger und Lehrmeister. In Übereinstimmung und Wechsel dazu las Sixta
Thomas Texte aus dem alten und neuen Testament. Angemessen: Marias fast revolutionäres
Glaubenslied Magnificat und sein alttestamentarisches Vorbild, der Dankgesang
der Prophetin Hanna. Als ein schönes Zeichen für Ökumene kam auch Luther mit seinem
kindlich-bildhaften Lied Nun freut euch, lieben Christen gmein zu Wort,
und Musik aus evangelischem Umkreis wurde umrahmt von Werken katholischer Komponisten. Den
süddeutschen Barock vertrat eine Passacaglia des fürstbischöflich-passauischen
Organisten und Kapellmeisters Georg Muffat.
Die vor ihrer Pensionierung jahrelang in Frankfurt tätige Organistin, einst Schülerin
und Assistentin des großen Walcha und Stipendiatin Marcel Duprés in Paris, verlieh den
verspielten Variationen durch abwechslungsreiche Registrierung individuelles Gesicht.
Gelegenheit zu fein abgestufter Registrierkunst boten auch die Choralbearbeitungen des
gregorianischen Magnificats von Buxtehude und des Vaterunsers von Georg Böhm im
norddeutschen Orgelstil. Außer Muffat wurde als einem weiteren 35O jährigen Jubilar dem
Nürnberger Pachelbel ein Geburtstagsgeschenk dargebracht. Dessen Ciacona-Variationen in
f-moll wirkten zwar altväterischer als die Passacaglia seines Zeitgenossen, doch virtuos
und keineswegs langweilig. Zahlreiche Querverbindungen gibt es zwischen dem berühmten
Orgelmeister, der süd- und norddeutschen Stil verschmolz und auch in Erfurt wirkte, und
der Bachfamilie. Von diesem Vorbild konnte Johann Sebastian unter anderem das damals noch
nicht überall gängige Pedalspiel lernen.
In der ersten der beiden Bachschen Choralbearbeitungen des Programms erklang der Cantus
firmus des Pfingsthymnus Komm Gott Schöpfer Heiliger Geist umspielt und
silberhell zuerst manualiter, dann in großer Steigerung im Pedal. Mit klanglicher
Plastizität setzte die Organistin auch im Lied Nun freut euch lieben Christen
g'mein den Choral gegen die virtuose Oberstimme und den Pedalbass ab.
Der freundlichen Vision Jesajas von einem Reich des Friedens schloß sich eine fröhliche
Sonate des Frühklassikers Franz Xaver Schnitzer an. Sie entließ mit zartem Gambenklang
einen genussvoll lauschenden Zuhörerkreis.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
14.06.2003
Offenbach Post |
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