Die Herren Bach vereint
Empfindsame Musik auf historischen Instrumenten in St. Cäcilia |
Heusenstamm (schu) Friedrich der Große war bekanntlich ein Liebhaber der
Traversflöte. Nicht nur sein Lehrer und Hofkomponist Johann Joachim Quantz, auch der
Kronprinz und spätere Preußenkönig selbst komponierte ausgiebig für dieses Instrument.
Der Musik dieser beiden Vertreter des galanten Stils und des Bachsohns Carl Philipp
Emmanuel, Friedrichs Hofcembalisten, konnte man nun in der Heusenstammer Barockkirche
begegnen.
Reizvoll war besonders, sie im Vergleich mit den Triosonaten von Vater Bach zu hören.
Innerhalb der neuen Konzertreihe Rhein-Main-Classic-Konzerte an historischen
Stätten stellten der Flötist Mathias von Brenndorff, der Geiger Andreas Preuss,
der Cellist Harm Jan Schwitters und der Cembalist Herman Sünders ihr Gastspiel unter den
Titel barocke Kammeimusik - Bach und Potsdam.
Die vier Musiker, Mitglieder des von Herreweghe geleiteten Orchestre des Champs-Elysées
und damit ausgewiesene Spezialisten authentischer Aufführungspraxis, spielten auf
Barockinstrumenten. Die Zeiten farblosen Historismus sind längst vorbei.
Das Ensemble zeigte, wie man auch ohne oder mit sparsamem Vibrato ausdrucksvoll musizieren
kann, wenn man die Kunst der Phrasierung und der lebendigen Klangrede beherrscht.
Obwohl die Basso-continuo-begleiteten Duo und Trio-Sonaten des Berliner Dreigestirns
sich in der Satzfolge und ihrer polyphonen Technik noch weitgehend im Rahmen der barocken
Vorbilder bewegen, kommen doch Eigenarten zum Zuge, die das Ensemble stilsicher, mit
temperament- und spannungsvollem Spiel und mit subtilem Klangfarbenwechsel nachvollzog.
So erklang nach der G-Dur-Triosonate Johann Sebastians die in der gleichen Tonart stehende
Sonate des Flötenmeisters Quantz durchsichtig, leicht und sanglich. Friedrich verbindet
in einer c-moll-Sonate ein empfindsames Recitativo mit einem fugierenden Presto.
Gefühlvoll stattet auch C. Ph. E. Bach seine d-moll-Triosonate Wotqu 145 mit Seufzern und
viel Chromatik aus - selbst von diesem meisterlichen Ensemble nicht immer mit letzter
Sauberkeit im Zusammenspiel nachzuvollziehen. Wie schon sein Vater stellt er an
Eigenständigkeit und Virtuosität der Cembalostimme und des Celloparts große Ansprüche.
Schwitters und Stinders waren glänzende, absolut zuverlässige Partner.
Anfang und Ende des Konzerts bildeten Triosonaten des alten Bach, bei aller ansprechenden
Originalität der jüngeren Werke doch kompositorisch unschlagbar.
In den langsamen Sätzen zollt er durchaus der Empfindsamkeit Tribut. Die weich und
kantabel spielende Flöte und die etwas zurückhaltendere Violine führten ihre Dialoge in
völliger gestalterischer Einheit. Die äußerst virtuose Triosonate BWV 1039 war der
Höhepunkt. Trotz Hitzerekord und Ferienzeit fand das Konzert in St. Cäcilia den
wünschenswerten starken Zuspruch. Für den anhaltenden Beifall bedankte sich das Ensemble
mit einem Vivace-Satz von Quantz.
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Verwöhnten ihr Publikum: Der Flötist
Mathias von Brenndorff, der Cembalist Herman Stinders und der Cellist Harm Jan Schwitters
bei ihrem Gastspiel unter den Titel "Barocke Kammermusik - Bach und Potsdam".
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
05.08.2003
Offenbach Post |
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