"Star" der barocken Architektur
Balthasar Neumann starb vor 250 Jahren |
Von Martin Haag und Bernd Georg (Fotos/Repro)
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Ein solches Doppeljubiläum ist wahrlich selten: Zum 250. Mal jährt sich dieser Tage der
Tod des großen BarockBaumeisters (Johann) Balthasar Neumann. Dieses kunst- und
kulturhistorisch so bedeutsame Datum fällt überdies noch zusammen mit dem 300.
Geburtstag des wohl begabtesten, architektonischen Mitarbeiter Neumanns: Johann (Jakob)
Michael Küchel (Kuechel). Am 19. August 1703 - also genau ein halbes Jahrhundert vor dem
Tod seines späteren Lehrers - kam Küchel in Bamberg zur Welt. Balthasar Neumann starb am
19. August 1753 in Würzburg. In mehr als drei Jahrzehnten schöpferischer Arbeit hatte
Neumann die traditionsreiche Kunstlandschaft Franken so nachhaltig geprägt wie vor ihm
nur Til Riemenschneider (um 1460 bis 1531). Doch anders als dem großen, spätgotischen
Bildschnitzer rund zweieinhalb Jahrhunderte zuvor wurde Balthasar Neumann in seinen
letzten Lebensjahren nahezu europaweiter Ruhm zuteil. Dabei hatte alles eher unscheinbar
begonnen.
Geboren im böhmischen Eger (Cheb) im Januar 1687 (überliefert ist nur das Taufdatum: der
30. Januar), ausgebildet vermutlich zunächst bei seinem Taufpaten, dem Glocken- und
Metallgießer Balthasar Platzer, kam der Handwerksgeselle Balthasar Neumann mit
nichts anderem als seinem Wanderpäckchen im Jahr 1711 24-jährig nach Würzburg.
Die folgenreiche Entdeckung seines künstlerischen Genius verdankte Neumann, der am 8. Mai
1714 ein Fähnrichspatent erhalten hatte, dem Würzburger Fürstbischof Johann Philipp
Franz von Schönborn. Dieser verschaffte dem architektonisch noch wenig erprobten Neumann
1721 seinen ersten Großauftrag.
Für die in den Grundfarben Schwarzgrau und Gold gehaltene, repräsentative Grablege des
bedeutenden Würzbürger Fürstbischofs und Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von
Schönborn, angefügt dem barockisierten Nordquerhaus des Domes, entwickelte Neumann
ältere Entwürfe des Kurmainzer Hofbaumeisters Maximilian von Welsch sowie des aus Genua
stammenden Wiener Hofarchitekten Johann Lukas von Hildebrandt schöpferisch fort.
Das architektonische Meisterwerk, erster Geniestreich eines vergleichsweise noch
unbekannten Künstlers, qualifizierte Balthasar Neumann in den Augen des Würzburger
Fürstbischofs für einen noch anspruchsvolleren Auftrag: die Leitung des gewaltigen
Neubaus der Würzburger Residenz. Ein Prunkstück der majestätischen Anlage, die
wesentliche Errungenschaften der oberitalienischen, französischen und Wiener
Palastarchitektur der Epoche zu bruchloser Einheit verschmilzt, bildet das viel bewunderte
Treppenhaus, kongenial freskiert von Giambattista Tiepolo. Über einem fast kryptenartig
gedrungenen, dämmrigen, gedämpft farbigen Vestibül öffnet sich die monumentale
Treppenanlage zu ungeahnter Lichtfülle.
Die Solidität des riesenhaften Muldengewölbes soll Neumanns Wiener Rivale Lukas von
Hildebrandt mit dem makabren Bonmot angezweifelt haben, wenn diese Decke den Schub der
Seitenmauern standhalte, sei er bereit, sich unter ihr auf eigene Kosten hängen zu
lassen. Neumann seinerseits, so will es die Überlieferung, konterte mit der ironischen
Offerte, im Treppenhaus der Residenz eine ganze Batterie Kanonen abfeuern zu lassen, um
dessen Festigkeit zu erweisen - tatsächlich überdauerte die Deckenkonstruktion sogar das
verheerende Bombardement Würzburgs vom 16. März 1945. Mit dem gigantischen Stiegenhaus
der Würzburger Residenz, dieser bis dahin beispiellosen, fünfschiffigen
Treppenkathedrale des Barock, hatte Balthasar Neumann sich unübersehbar als
einer der führenden Baumeister seiner Zeit profiliert. Großangelegte Treppenhäuser nach
Entwürfen des Künstlers entstanden als perfekte, barocke Raumkunstwerke in den folgenden
Jahren unter anderem im Schloss Augustusburg bei Brühl, im Neuen Schloss zu Meersburg am
Bodensee, vor allem aber in der Residenz zu Bruchsal.
Balthasar Neumann war jedoch auch ein Meister der Sakralarchitektur. Für den heutigen
Betrachter unmittelbar anschaulich wird dies nicht allein in seinen großen,
repräsentativen Kirchenbauten wie etwa der kunstvoll kurvierten Hofkirche der Würzburger
Residenz. Seinen außergewöhnlichen Fantasiereichtum dokumentieren selbst jene
zahlreichen kleineren Landkirchen, die Neumann im Auftrag seiner verschiedenen Gönner aus
der baufreudigen Familie von Schönborn zwischen 1727 und 1753 entwarf.
Zu ihnen zählt auch die bezaubernde Pfarrkirche St. Cäcilia in Heusenstamm. Nach einem
Ausführungsprojekt Balthasar Neumanns entstand sie in den Jahren von 1739 bis 1741 als
Grablege einer Schönbornschen Seitenlinie. In stark reduziertem Maßstab variierte
Neumann hier den Grundriss seiner berühmten Wallfahrtskirche von Gößweinstein; an die
Stelle der dortigen, monumentalen Doppelturmfassade trat (ähnlich wie in seinen
Pfarrkirchen von Kitzingen-Etwashausen und von Wiesentheid) ein in der Mitte der
Eingangsfront platzierter, schlank emporstrebender Einturm mit eingeschnürter Haube.
Durch perfekt abgewogene Maßverhältnisse nach dem Godenen Schnitt, gelang es
Neumann, das lichtdurchflutete Kirchen-Interieur weiträumiger erscheinen zu lassen, als
es wirklich ist. Rötlich-grau schimmernde Stuckmarmorsäulen toskanischer Ordnung, frei
vor den ausgenischten Vierungsecken stehend, akzentuieren die Mitte des ungewöhnlich
schönen Raumes, der durch die meisterhaften Gewölbemalereien Christoph Thomas Schefflers
eine zusätzliche, illusionistische Weitung erfährt.
In enger Abstimmung mit Balthasar Neumann errichtete der Würzburger Hofbildhauer Johann
Wolfgang von der Auwera an der Rückwand des Chores den anmutig bewegten, vollplastischen
Rücktischaufsatz des Hochaltars. Zwei Anbetungsengel flankieren ein hochragendes
Kruzifix. Das aus dem großen Rundfenster im Chorscheitel einfallende Licht verleiht der
pyramidal gegliederten Szene den Charakter einer überirdischen Vision.
Ein noch bedeutenderes Schlüsselwerk des beginnenden Rokoko begegnet in Baltbasar
Neumanns volkstümlichstem Sakralbau: der weltbekannten Wallfahrtskircbe zu
Vierzehnheiligen. Die Grundidee des in die zentrale Gnadenrotunde eingestellten
Baldachinaltars stammt wohl von Neumanns bedeutendem Bamberger Mitarbeiter Johann (Jakob)
Michael Küchel. Ornamentale Detailplanung und technische Ausführung dieses
stilgeschichtlich zukunftsweisenden Gnadenaltars sind hingegen das Werk des
brillanten Wessobrunner Stukkateurs Johann Michael Feichtmayr, wie erst neuere,
kunsthistorische Forschungen nachwiesen. Das geglückte Zusammenspiel sich komplementär
ergänzender Künstlerpersönlichkeiten vereinigte sich in Vierzehnheiligen zu einem der
vollkommensten Raumensembles des Barock.
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Wegweisend war er, der barocke Baumeister Balthasar Neumann, der nicht nur in Franken
Spuren hinterließ. Bewundern kann man seine visionäre Kunst auch im Heusenstammer
Kirchen-Juwel St. Cäcilia.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
23.08.2003
Offenbach Post |
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