Hilft denn jetzt nur noch abschließen?
In St. Cäcilia gehen Diebe um / Nach dem
Opferstock und den Kerzen ist die Spendenkugel aus der Krippe geklaut worden |
Heusenstamm (mcr) - Krippenklau in Heusenstamms Vorzeige-Kirche: In St. Cäcilia,
Balthasar Neumanns barockem Kleinod an der Schlossstraße, gehen mit trauriger
Regelmäßigkeit Diebe um. Küsterin Ursula Kestawitz muss immer wieder armselige
Freveltaten registrieren - und ist mittlerweile stinksauer. Nicht zum erstenmal stellt
sich die Frage, ob jetzt nur noch abschließen hilft.
Es ist nicht alles Gold, was in St. Cäcilia glänzt. Glücklicherweise. Denn hätten die
Baumeister ihrerzeit tatsächlich massives Edelmetall statt edle Farben genommen, um dem
Interieur zur sanften Verspieltheit des Barock zu verhelfen, wäre das Schönbornsche
Gotteshaus heute vermutlich ein einträgliches Objekt für private Wachdienste.
Fehl am Platz wären Aufpasser aber auch ohne große materielle Werte nicht. Der hölzerne
Opferstock in der Eingangsschleuse zwischen Portal und Glastür wurde in den vergangenen
Jahren mehrfach geknackt, teilweise auch gleich samt Halterung aus der Wand gerissen. Der
Sachschaden war ohne Zweifel größer als die paar Mark Beute; der Schaden am Glauben an
das Gute im Menschen aber war nicht zu beziffern. Mittlerweile ist die Spendenbox
eingemauert und aus Stahl. Nur ein Schlitz blieb sichtbar.
Die massive Lösung schreckt vielleicht Langfinger ab, die auf die Schnelle ein bisschen
Klimpergeld brauchen. Doch Diebe, das zeigt sich immer wieder, sind nicht wählerisch. Und
überdies scheinen Zweifel daran angebracht, dass es dem oder den Unbekannten wirklich ums
Geld gehen kann. Am Mittwoch nach dem ersten Advent verschwand dort, wo jetzt der
Weihnachtsbaum am verhängten Cäcilienaltar steht, die große Kerze vom Adventskranz. Das
war im Wortsinn der "größte Fall"; davor und danach ließ irgendwer immer
mittwochs kleinere Kerzen vom Marienaltar mitgehen - vier Mal bisher.
Der jüngste Diebstahl ereignete sich erst vorgestern, wie üblich irgendwann in der
Mittagszeit. Dieses Mal erwies sich eine in die Krippe am Cäcilienaltar integrierte
Sammelbox in Form einer bemalten, etwa faustgroßen Weltkugel als Objekt der Begierde. Der
Inhalt war für Kinder in der Dritten Welt bestimmt. Viel kann es noch nicht gewesen sein,
die Küsterin hatte die Kugel am Montag geleert und am Mittwoch Morgen zum letzten Mal
gesehen.
Ob die Pfarrgemeinde die Polizei einschaltet und Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wird
Pfarrer Anton Sauer nach seinem Urlaub entscheiden. Viel wichtiger erscheint allerdings
die Entscheidung, ob die St. Cäcilia-Kirche, auch für Touristengruppen und Gäste des
Heimatvereins ein Anziehungspunkt, weiterhin täglich zwischen 9 und 17 Uhr für jedermann
geöffnet bleiben kann. Einerseits, sagt Ursula Kestawitz, "sind fast immer Menschen
in der Kirche". Andererseits ist ein Gotteshaus, in dem aus gutem Grunde nicht eine
Atmosphäre des Misstrauens herrscht, natürlich unkontrollierbar. "Wir haben schon
darüber gesprochen, die Kirche geschlossen zu halten. Dann ginge es bis zur Glastür und
nicht weiter. Man wird ja irgendwann dazu gezwungen."
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Schäfchenzählen. Küstetin Ursula Kestawitz wartet eigentlich nur darauf, dass auch die
eine oder andere Krippenfigur plötzlich Beine bekommt. Nach dem Opferstock und den Kerzen
von Altar und Adventskranz hat sich eine Spendenbox in Form einer Weltkugel als Objekt der
Begierde erwiesen. Aber ums Geld kann es den Dieben eigentlich nicht gehen.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
09.01.2004
Offenbach Post |
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