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Stand 10. Jan. 2004

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Hilft denn jetzt nur noch abschließen?

In St. Cäcilia gehen Diebe um / Nach dem Opferstock und den Kerzen ist die Spendenkugel aus der Krippe geklaut worden

Heusenstamm (mcr) - Krippenklau in Heusenstamms Vorzeige-Kirche: In St. Cäcilia, Balthasar Neumanns barockem Kleinod an der Schlossstraße, gehen mit trauriger Regelmäßigkeit Diebe um. Küsterin Ursula Kestawitz muss immer wieder armselige Freveltaten registrieren - und ist mittlerweile stinksauer. Nicht zum erstenmal stellt sich die Frage, ob jetzt nur noch abschließen hilft.

Es ist nicht alles Gold, was in St. Cäcilia glänzt. Glücklicherweise. Denn hätten die Baumeister ihrerzeit tatsächlich massives Edelmetall statt edle Farben genommen, um dem Interieur zur sanften Verspieltheit des Barock zu verhelfen, wäre das Schönbornsche Gotteshaus heute vermutlich ein einträgliches Objekt für private Wachdienste.
Fehl am Platz wären Aufpasser aber auch ohne große materielle Werte nicht. Der hölzerne Opferstock in der Eingangsschleuse zwischen Portal und Glastür wurde in den vergangenen Jahren mehrfach geknackt, teilweise auch gleich samt Halterung aus der Wand gerissen. Der Sachschaden war ohne Zweifel größer als die paar Mark Beute; der Schaden am Glauben an das Gute im Menschen aber war nicht zu beziffern. Mittlerweile ist die Spendenbox eingemauert und aus Stahl. Nur ein Schlitz blieb sichtbar.
Die massive Lösung schreckt vielleicht Langfinger ab, die auf die Schnelle ein bisschen Klimpergeld brauchen. Doch Diebe, das zeigt sich immer wieder, sind nicht wählerisch. Und überdies scheinen Zweifel daran angebracht, dass es dem oder den Unbekannten wirklich ums Geld gehen kann. Am Mittwoch nach dem ersten Advent verschwand dort, wo jetzt der Weihnachtsbaum am verhängten Cäcilienaltar steht, die große Kerze vom Adventskranz. Das war im Wortsinn der "größte Fall"; davor und danach ließ irgendwer immer mittwochs kleinere Kerzen vom Marienaltar mitgehen - vier Mal bisher.
Der jüngste Diebstahl ereignete sich erst vorgestern, wie üblich irgendwann in der Mittagszeit. Dieses Mal erwies sich eine in die Krippe am Cäcilienaltar integrierte Sammelbox in Form einer bemalten, etwa faustgroßen Weltkugel als Objekt der Begierde. Der Inhalt war für Kinder in der Dritten Welt bestimmt. Viel kann es noch nicht gewesen sein, die Küsterin hatte die Kugel am Montag geleert und am Mittwoch Morgen zum letzten Mal gesehen.
Ob die Pfarrgemeinde die Polizei einschaltet und Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wird Pfarrer Anton Sauer nach seinem Urlaub entscheiden. Viel wichtiger erscheint allerdings die Entscheidung, ob die St. Cäcilia-Kirche, auch für Touristengruppen und Gäste des Heimatvereins ein Anziehungspunkt, weiterhin täglich zwischen 9 und 17 Uhr für jedermann geöffnet bleiben kann. Einerseits, sagt Ursula Kestawitz, "sind fast immer Menschen in der Kirche". Andererseits ist ein Gotteshaus, in dem aus gutem Grunde nicht eine Atmosphäre des Misstrauens herrscht, natürlich unkontrollierbar. "Wir haben schon darüber gesprochen, die Kirche geschlossen zu halten. Dann ginge es bis zur Glastür und nicht weiter. Man wird ja irgendwann dazu gezwungen."

Foto: Reinsch    [Bild vergrößern]


Schäfchenzählen. Küstetin Ursula Kestawitz wartet eigentlich nur darauf, dass auch die eine oder andere Krippenfigur plötzlich Beine bekommt. Nach dem Opferstock und den Kerzen von Altar und Adventskranz hat sich eine Spendenbox in Form einer Weltkugel als Objekt der Begierde erwiesen. Aber ums Geld kann es den Dieben eigentlich nicht gehen.

Mitteilung vom:
erschienen in:

09.01.2004
Offenbach Post


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