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Stand 14. Jan. 2004

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Französische Weihnachten auf der Orgel

Regionalkantor Andreas Boltz stellte in St. Cäcilia Verwandlungen vor

Heusenstamm (schu) Französische Barockkomponisten gingen wenig respektvoll mit altehrwürdigen Kirchengesängen um. In ihren “Noels” bearbeiteten sie Weihnachtslieder nach allen Regeln der Variationskunst, versahen sie mit reicher Ornamentik, mit klangeffektvollen Echos und virtuosen Läuflein und übten sich daran nicht nur im Fugenschreiben, sondern verwandelten die Melodien gar in muntere Tänze. Eine vielfältige Auswahl dieser Stücke konnte man im Orgel-Gastspiel des Mainzer Regionalkantors Andreas Boltz kennenlernen, den der Förderverein Balthasar-Neumann-Kirche zur ersten Veranstaltung des Jahres eingeladen hatte.
In seinem originellen Programm stellte er Französisches einigen Werken Bachs gegenüber, der sich nachweislich für die französische Orgelmusik interessierte und sich davon beeinflussen ließ. Einleitung ünd Finale waren Bachs frühe Choralbearbeitung “Wie schön leuchtet der Morgenstern” und die französisch inspirierte Fantasie BWV 572 aus der Weimarer Hoforganistenzeit. Als roter Faden spannen sich die fünf hochartifiziellen kanonischen Variationen über “Vom Himmel hoch” durch das Programm.
Ihnen folgten jeweils “Noels” von Daquin, de Grigny, Dandrieu und den späteren, jedoch in barocker Tradition komponierenden Meistern Balbastre und Boely. In steter Steigerung verlieh Boltz den Stücken zurückhaltenden bis vielfältigen und zungenregisterreichen Klang. Außer der gewandten und stilsicheren Klangregie zeichneten Exaktheit und Klarheit der Rhythmik und schnellster Passagen, Plastizität in den kontrapunktisch ausgetüftelten Partien sein Spiel aus.
Lobend hervorzuheben sind die ausführlichen Programminformationen, für die sich offenbar nicht jeder Gastmusiker die Mühe zu machen bereit ist, die aber besonders in einer so komplexen Darbietung bedeutender oder selten gehörter Werke den Musikgenuss erhöhen.
Das Konzert wurde abgerundet durch Lesungen aus Luthers Weihnachtslied “Vom Himmel hoch”, die Sixta Thomas mit Meditationen des Paters Anselm Grün verband. So erlebte man, zum letzten Mal mit Weihnachtsbaum und Krippe, mit Wort und Musik einen stimmungsvollen Ausklang der Weihnachtszeit. Dem war dann auch angemessen, dass der Organist sich vom großen Beifall der Hörergemeinde nicht zu einer Zugabe bewegen ließ.

Foto: Michael    [Bild vergrößern]


Der Mainzer Regionalkantor Andreas Boltz an der St. Cäcilia-Orgel. Er stellte französische Barockkomponisten und das bisweilen recht respektlose Ergebnis ihrer Bearbeitungen altehrwürdiger Kirchengesänge und Weihnachtslieder vor. Es war das erste Konzert des veranstaltungsfreudigen St. Cäcilia-Fördervereins im neuen Jahr.

Mitteilung vom:
erschienen in:

14.01.2004
Offenbach Post


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