Heusenstamm (schu) Französische Barockkomponisten gingen wenig respektvoll mit
altehrwürdigen Kirchengesängen um. In ihren Noels bearbeiteten sie
Weihnachtslieder nach allen Regeln der Variationskunst, versahen sie mit reicher
Ornamentik, mit klangeffektvollen Echos und virtuosen Läuflein und übten sich daran
nicht nur im Fugenschreiben, sondern verwandelten die Melodien gar in muntere Tänze. Eine
vielfältige Auswahl dieser Stücke konnte man im Orgel-Gastspiel des Mainzer
Regionalkantors Andreas Boltz kennenlernen, den der Förderverein Balthasar-Neumann-Kirche
zur ersten Veranstaltung des Jahres eingeladen hatte.
In seinem originellen Programm stellte er Französisches einigen Werken Bachs gegenüber,
der sich nachweislich für die französische Orgelmusik interessierte und sich davon
beeinflussen ließ. Einleitung ünd Finale waren Bachs frühe Choralbearbeitung Wie
schön leuchtet der Morgenstern und die französisch inspirierte Fantasie BWV 572
aus der Weimarer Hoforganistenzeit. Als roter Faden spannen sich die fünf
hochartifiziellen kanonischen Variationen über Vom Himmel hoch durch das
Programm.
Ihnen folgten jeweils Noels von Daquin, de Grigny, Dandrieu und den späteren,
jedoch in barocker Tradition komponierenden Meistern Balbastre und Boely. In steter
Steigerung verlieh Boltz den Stücken zurückhaltenden bis vielfältigen und
zungenregisterreichen Klang. Außer der gewandten und stilsicheren Klangregie zeichneten
Exaktheit und Klarheit der Rhythmik und schnellster Passagen, Plastizität in den
kontrapunktisch ausgetüftelten Partien sein Spiel aus.
Lobend hervorzuheben sind die ausführlichen Programminformationen, für die sich offenbar
nicht jeder Gastmusiker die Mühe zu machen bereit ist, die aber besonders in einer so
komplexen Darbietung bedeutender oder selten gehörter Werke den Musikgenuss erhöhen.
Das Konzert wurde abgerundet durch Lesungen aus Luthers Weihnachtslied Vom Himmel
hoch, die Sixta Thomas mit Meditationen des Paters Anselm Grün verband. So erlebte
man, zum letzten Mal mit Weihnachtsbaum und Krippe, mit Wort und Musik einen
stimmungsvollen Ausklang der Weihnachtszeit. Dem war dann auch angemessen, dass der
Organist sich vom großen Beifall der Hörergemeinde nicht zu einer Zugabe bewegen ließ.
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