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Stand 29. März 2004

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Gepfiffen, nicht getrommelt

25 Jahre Ott-Orgel: Große Namen bewerben sich, auf dem Prachtstück in St. Cäcilia spielen zu spielen

Heusenstamm (M.) • Auch Musiker gehen mit der Mode. Im Augenblick stehen die großen Meister auf milde, französische Orgelklänge.
Das ficht einen wie Herbert Turba nicht an. Der Kirchenmusiker im Nebenamt, wie er sich mit seiner C-Ausbildung zum Chorleiter nennen darf, spielt die Kirchenorgel in St. Cäcilia nun bereits 25 Jahre. Mehr noch, er wählte das Instrument damals mit aus. Alternativen zu Paul Ott gab es allerdings kaum: Nur der bekannte Baumeister vermochte das filigrane Instrument in die denkmalgeschützten Aufbauten einzupassen. Schließlich brachte er 23 Register in dem Gehäuse unter.
Das Hauptwerk teilte er in C- und Cis-Seite, und hinter dem Mittelturm des Prospekts fand das Oberwerk Platz. Dieses ist in Diskant- und Basslade aufgeteilt, und so deutet Turba in ein Gewirr aus Zügen, Pfeifen und Halterungen. Der Stimmgang in der ersten Etage des Innenlebens ist nur über eine Stahlleiter zu erreichen und nicht mal schulterbreit. Trennwände und das nachträglich installierte Dach fördern den Klang.
Den beeinflusst maßgeblich die Mischung zwischen Zinn und Blei in den Pfeifen. Üblicherweise lautet sie 75 zu 25. Wird mehr Blei eingesetzt, ergibt sich ein weicherer Ton. Denselben Effekt erzielen die Konstrukteure mit dem feinen Gehör durch den Einsatz von Holz. Auch die so genannten Zungenpfeifen, zeigt der Organist auf die winzigen Öffnungen, erzeugen einen fülligeren, sanfteren Ton als Lippenpfeifen. Eine milde Akustik ist französisch. Und französisch ist in diesen Tagen der "Renner". Klar, auch bei den Instrumenten "ändert sich die Mode alle paar Jahre", lehrt der ehemalige Elektromeister von den Tasten und Tönen. Veränderungen um etwa einen Viertelton bewirken zudem eine Temperaturschwankung um zehn Grad Celsius. Selbst im tiefsten Winter wird das Kirchenschiff darum maximal auf 14 oder 15 Grad geheizt. Das schützt auch die kostbaren Deckengemälde.
Ein weiterer Feind ist die Feuchtigkeit. Nach der Renovierung der Kirche 1999 wurde die Orgel vollständig zerlegt und gereinigt. Trotz hermetischer Abdichtung bei den Malerarbeiten mit Plastikplanen oxidierten Metallteile, die Schäden wurden im vergangenen Jahr beseitigt. Heute fragen zahlreiche Organisten an, die das Prachtstück gerne bedienen möchten. "Sie hat keine Klanglöcher und reagiert auf Tastendruck ohne viel zu koppeln", erläutert der Orgelspieler.
Von ihrer Vorgängerin, einem Schimbach-Instrument, erbte das Hauptwerk der Ott-Orgel Holzflöte, Gamba, Quinte sowie Schwiegel. Während die Holz- oder Hohlflöte um einen Halbton nach unten gerückt wurde, wurde die Gamba "aus mensurtechnischen Gründen" um drei Halbtöne nach oben gezogen. Die Pfeifen wurden gründlich überholt, der Spieltisch in die Frontseite eingebaut, ohne die schöne Schreinerarbeit zu beeinträchtigen, freut sich Herbert Turba.

Foto: Michael     [Bild vergrößern]


Der Stimmgang im ersten Stock der Orgel von St. Cäcilia misst nicht einmal einen Schulterbreit. Das neu konstruierte Instrument musste in das Denkmal geschützte Schrankgehäuse eingepasst werden. Am Sonntag, 2. Mai, spielt Thomas Gabriel, Seligenstädter Regionalkantor, ab 17 Uhr zum Jubiläum auf der Orgel.

Mitteilung vom:
erschienen in:

24.04.2004
Offenbach Post


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