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Stand 30. Jul. 2004

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Stilsprünge von Bach zu Bach

Wie der Limburger Domorganist Markus Eichenlaub in St. Cäcilia Vater und Söhne vereinte

Heusenstamm (schu) Bach und seine Söhne sind ein dankbares Thema. Zum einen waren fast alle der ins Erwachsenenalter überlebenden Junioren erfolgreiche Musiker, zum andern ist der Stilwandel zwischen dem Schaffen beider Generationen und auch der Geschwister spannend zu beobachten. Am extremsten bei Carl Philipp Emanuel, dem drittältesten Sohn, und seinem Halbbruder Johann Christian, dem "Londoner Bach".
Unter Ausnahme dieses Stilverwandten Mozarts widmete der Limburger Domorganist Markus Eichenlaub sein Programm in der Reihe "Domorganisten im Kultursommer Südhessen" dem Vergleich von Orgelwerken der Bachfamilie. Von den Kompositionen Johann Sebastians hatte er als Anfang, Mitte und Ende des Programms drei ausgewählt, die mit Geburtsdatum oder Ausbildung der Söhne in Beziehung stehen.
Präludium und Fuge G-Dur kombinierte er, gestützt auf den Hinweis in einer Abschrift, mit dem "Un poc‘ allegro" einer Orgelsonate in e-moll, das zu dem lebhaften, fröhlichen Werkpaar einen reizvollen Gegensatz bildete und zu kontrastierendem Registrieren Gelegenheit bot. Der Moderne aufgeschlossen zeigt sich Bach in seinen Orgelbearbeitungen von Concerti, so auch beim Konzertsatz in G des Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar. Präludium & Fuge BWV 532 jedoch gehört mit seiner Toccaten-Einleitung und der Fugenthematik noch älterer Orgeltradition an. Die brillante Komposition des jungen Bach war in einer fein artikulierten, virtuosen Darbietung mit voller Entfaltung des Orgelwerks zu hören.
Aus dem schmalen Orgelrepertoire des ältesten Bachsohns Wilhelm Friedemann hatte Eichenlaub die Choralbearbeitung "Jesu meine Freude" und eine Fuge in B ausgesucht. Hier ist der einst filmisch zum Lieblings- und Sorgenkind romantisierte Filius, der als erster freischaffender Musiker fortschrittlich war, noch ganz auf den Spuren seines Vaters und von dessen Lehrmeistern. Mit hellen Klangfarben und graziösem Spiel verlieh ihm Eichenlaub jedoch die ihm zustehende Individualität.
Die Sonata a-moll des preußischen Hof-Favoriten Carl Philipp Emanuel bot alle stilistischen Merkmale dieses Brausekopfs. Starke Kontraste, empfindsame Melodien, Seufzer, Chromatik, Echos, abrupte Pausen und harsche Einwürfe machen das Werk zu einer konzertanten Herausforderung gerade an der Orgel. Mit souveräner Gestaltung und technischer Meisterschaft zeichnete der Organist die espressive Vielfalt nach.
Die Variationen über "Ah, je vous dirai-je, maman" des zweitjüngsten Sohns J. Christoph Friedrich, des "Bückeburger Bach", bedienen einen Zeitgeschmack, der Einfachheit und melodiöse Gefälligkeit verlangte. Dem dennoch virtuosen Einfallsreichtum entsprachen Eichenlaubs abwechslungsreiche Registrierungen.
Nach dem Fugen-Finale war diese Delikatesse des Heusenstammer Kultursommers, für die neben dem Förderverein St. Cäcilia auch das Kulturforum verantwortlich zeichnete, noch nicht zu Ende. Anhaltender Beifall ermunterte den jungen Organisten zu einer Zugabe in Form einer Improvisation über "Lobet den Herren", in die er pfiffig. "Guten Abend, gut' Nacht" hineinschmuggelte.

Foto: Michael     [Bild vergrößern]


Klangkörper Kirchenschiff - leider kann man die Bänke für Orgelkonzerte nicht umdrehen.

Mitteilung vom:
erschienen in:

14.07.2004
Offenbach Post


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