Großes auf der kleinen Orgel
Andreas Fabienke im Klangkörper St. Cäcilia / Was der 23. Psalm zu bieten hat |
Heusenstamm (schu) • Weder die Rückkehr des Sommers noch der musikalische Lockruf des Frankfurter Museumsuferfestes
konnte das orgelfreundliche Publikum vom Besuch eines Orgel-Benefizkonzerts in St. Cäcilia abhalten.
Von weit her kam der Gast des Fördervereins: Andreas Fabienke ist Kantor und Organist an der Kreuzkirche zu
Hamburg-Wandsbek.
Die kleine Cäcilia-Orgel konnte zeigen, dass sie auch romantischer Musik gewachsen ist - von störenden Nebengeräuschen
abgesehen, die der Tremulant, das unverzichtbare stilechte Register, eigensinnigerweise erzeugte.
Als Motto hatten die Gastgeber den 23. Psalm ausgesucht, und dazu Passendes war bei Mendelssohn, Dvorak und Rheinberger
leicht zu finden. Die von Sixta Thomas ausgewählten und zu Gehör gebrachten Lesungen aus dem Psalter in Luthers
Übersetzung und freier moderner Nachdichtung durch Arnold Stadler sowie aus Texten von Saint-Exupery, Manfred Langner
und Wilhelm Willms waren diesmal auch zwischen die Sätze der Sonaten eingestreut.
Da der thematische Zusammenhang stimmig war, machte der Organist gute Miene zu
dieser ungewöhnlichen Unterbrechung der
musikalischen Einheit.
Trompetenstöße im marschmäßigen zweiten Satz von Mendelssohns c-moll-Sonate No.2 knüpften an das Instrumentarium des
Psalters an, das dort oft in der Beischrift erwähnt wird.
Gesang bestimmt die Sätze der 1. Sonate, der Kopfsatz verarbeitet ein Choralthema, der dritte Satz ist ein Rezitativ,
und kantabel gibt sich auch das Adagio der an den Anfang gestellten zweiten Sonate.
Fabienke spielte die Sonaten, die an barocke und klassische Tradition anknüpfen, rhythmisch straff und trotz
stilistisch einfühlsamer Registrierung ohne romantisierende Gefühligkeit.
Ein trefflicher Einfall war, das Choral-Nebenthema in der f-moll-Sonate durch schnarrende Zungenstimmen - quasi
barock - scharf herauszuarbeiten.
Den Psalm vom guten Hirten hat Dvorak in seinen "Biblischen Liedern" vertont, und er war neben zwei weiteren
Psalmgesängen in der Bearbeitung mit differenzierter Registrierung zu hören.
In die Hirtensphäre begibt sich Rheinberger mit einem zwischen Dur und Moll schwebenden Pastorale.
Mit dem Mendelsohnschen virtuosen Arpeggien-Finale gab sich das Publikum nicht zufrieden und erklatschte sich
eine Zugabe.
In ökumenischem Geist nahm der Kantor ein Marienlied zur Vorlage einer Improvisation.
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Balthasar Neumann hat St. Cäcilia nicht gerade gebaut, um Organisten
und Lauschern den Blickkontakt zu ermöglichen. Doch es war ein stimmiges Konzert.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
01.09.2004
Offenbach Post |
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