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Stand 10. Nov. 2004

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Rosinensüße Giftmischung

Piano-Kabarett mit Franz-Josef Feimer

Heusenstamm (schu) • Wer meinte, heutzutage gäbe es nichts mehr zu lachen, wurde noch vor dem 11.11. im Pfarrheim St. Cäcilia eines Besseren belehrt. Eingeladen von den Kirchengemeinden und dem Kulturforum, durften nicht nur die kulturbeflissenen Heusenstammer samt ihrem Bürgermeister und die Kirchenschäfchen samt ihren Hirten sich krumm und schief lachen. Selbst die Kirchenglocken mischten sich an passender Stelle ein. Unwiderstehlich mit schwarzem Schnauz und opernbühnenreifer Stimme, keine Sekunde um den Anschluss zur nächsten Pointe verlegen, servierte Franz-Josef Feimer sein gepfeffertes rhetorisch-musikalisches Gemisch: "Rosinen und Arsen", in kunstvollem Wechsel zwischen raffiniert unauffällig gereimter Deklamation und schwungvoll am Klavier begleitetem Gesang.
Seinem juristisch geschulten Scharfblick bleibt keine menschliche Schwäche verborgen, alle bekamen sie ihr Fett weg: die Ärzte und die Gesundheitsministerin, die Wadenbeißer und die Kleinkarierten, die Handelsketten und die Rentner. Eltern durchlitten nochmals das abendliche "Zeitschinden" der lieben Kleinen, die Folgen der Tierliebe und die Schrecken der Zahnspange. Ehemänner stimmten der Klage über die nervenzehrende weibliche Kauflust zu - insgeheim, während weibliches Publikum sich zum Interesse an männlichem Sex-Appeal offen bekannte.
Die reifere Generation fühlte mit dem Opfer der "Trendwende" zum jüngeren Mann: "Früher zu jung zum zum, und jetzt schon zu alt zum zum...- dumm geloffe!". Oder sie sah sich innerlich gestärkt im Kampf gegen die Tücken von EC-Automat, Computer-Modem, Internet und Fernbedienung.
Kein Auge blieb trocken, als Feimer mit schonungslos überschäumender Fantasie die große September-Oktober- Weihnachtsschlacht zwischen Aldi, Minimal, Edeka und anderen Marktriesen toben ließ. Neben Stilblüten aus der Versicherungsbranche und vergnüglichen Histörchen fehlte nicht Nachdenkliches über Toleranz.
Ein Raucher-Bekenntnis mit rabenschwarzem Humor erntete den ersten großen Beifallssturm. Unerschöpflich wie Feimers literarischer Formenreichtum sind Einfallsreichtum und Geschick für wirkungsvolle und treffsichere musikalische Arrangements von Bekanntem oder Eigenkompositonen.
Ein Glanzstück war die Kurzoper über den letzten Junggesellen. Das Tüpfelchen aufs i war selbstverständlich der Vortrag selbst: perfekt kalkuliert in Mimik und Gestik und dabei stets improvisationsgewandt auf die Reaktionen des Publikums eingehend. Auch auf dem Terrain der Erotik, mit anständiger Schlüpfrigkeit ausgewertet, tat die rosinensüße Giftmischung ihre Wirkung, obwohl sie schließlich keine Steigerung mehr brachte. Ohne zwei Zugaben ließen das lachtrainierte Publikum den Kabarettisten nicht gehen. Bleibt zu wünschen, was er am 1. Oktober den plus-Verkäuferinnen an weihnachtlicher Käsetheke in den Mund legte: Frohes Fest!

Foto: Michael     [Bild vergrößern]


Perfekt kalkuliert in Mimik  und Gestik und dabei stets improvisationsgewandt auf die vielfältigen Reaktionen des Publikums eingehend: Franz-Josef Feimer mit seinem gepfefferten, rhetorisch-musikalischem Gemisch: "Rosinen und Arsen" im St. Cäcilia-Pfarrheim an der Schlossstraße.

Mitteilung vom:
erschienen in:

10.11.2004
Offenbach Post


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