Heusenstamm (mcr) • Hochzeitsfotos vor einer vom Baugerüst in
den Würgegriff genommenen Kirche? Ein hartes Los. Doch die Ja-Sager
der Region dürfen aufatmen. St. Cäcilia, wegen seiner barocken
Qualitäten reizvoller als andere Gotteshäuser und bei einheimischen
Paaren wie bei Heiratstouristen beliebt, wird bald wieder aus seinem
Korsett befreit. Das Ende der Reparaturarbeiten naht.
Ums Einrüsten kam die Kirche vor zwei Wochen beim besten Willen nicht
herum. Seit dem Abschluss der Rundum-Sanierung vor sieben Jahren
rüttelte manch heftiger Sturm an dem Kleinod. Da mussten die
Hausherren bald eine ganze Palette an Wasserschäden und
Nebenwirkungen zur Kenntnis nehmen.
Beispielsweise an der Abdichtung zwischen der Schieferbedeckung des
Daches und der so genannten Volute, einer Art dreieckiger Verzierung
an der Fassade, die die Flammenvase trägt. Ein vier Zentimeter
breiter Riss zog sich durch die Substanz, wurde breiter, der Putz
begann zu bröckeln. Stürme fegten einige Schieferplatten vom Dach,
zum Glück nur bis in die Regenrinne. Zudem ließen die Bleche, die
auf der Volute als Schutz gedacht waren, das Wasser nach vorne laufen.
Moos siedelte sich an, zog die Steinmetzarbeiten der Volute in
Mitleidenschaft - höchste Zeit für Taten. "Wichtig ist es, die
Schäden zu beseitigen, bevor das wirklich schlimm geworden ist. Eine
Generalüberholung würde richtig viel Geld kosten", sagt Herbert
Margraf für den Kirchen-Förderverein.
Noch sind die Reparaturen vergleichsweise billig zu haben. Jetzt
werden "nur" einige tausend Euro für die Verfüllung der
Risse, fürs Gerüst, für die Aufmöbelung des Daches und für die
Malerarbeiten fällig. Schwierig ist es dabei, den richtigen Farbton
zu treffen. Die Natur produziert im Lauf der Jahre Abtönungen und
Schattierungen, die nicht "von der Stange" zu haben sind.
Wenn weiterhin alles glatt läuft, können die Handwerker Ende
nächster Woche Vollzug melden.
Das Ende der Fahnenstange ist die Reparatur in luftiger Höhe nicht.
Der Förderverein hat den Blick gesenkt, tüftelt an einer Lösung
für den Sockelbereich und das ebenfalls beschädigte
Treppengeländer. Schon wird nach den Gottesdiensten an Samstag und
Sonntagen auch für dieses Vorhaben gesammelt. Alles in allem werden
die Sanierungen zum "Schutz des Bestands" wohl 10.000 Euro
kosten.
So günstig geht's, weil die Feuerwehr ihre Drehleiter für die
Besichtigung der Schäden zur Verfügung stellte und beispielsweise
für den Austausch der Schieferplatten nochmals vorfahren soll.
Die Leiter wird für die Sockel- und Geländerarbeiten nicht
gebraucht. Dafür aber "längere Zeit", weil bei der Frage,
ob das alte Geländer repariert oder ein neues gekauft wird, auch die
Denkmalpfleger des Bischöflichen Ordinariats in Mainz ein gewichtiges
Wörtchen mitzureden haben.
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