Heilige, Harfenklänge und Kampf mit dem Höllenheer
Motettenchor Frankfurt gastierte in der St. Cäcilia-Kirche
|
Heusenstamm (schu) • Etwas Außergewöhnliches hatte sich der Förderverein St. Cäcilia
für den vierten Advent ausgedacht.
Er lud den Motettenchor Frankfurt mit seinem Weihnachtsprogramm in die
Balthasar-Neumann-Kirche, in dessen Zentrum der in Deutschland selten zu hörende
Zyklus „A Ceremony of Carols" von Benjamin Britten stand.
Das Werk entstand 1942 während der Atlantiküberfahrt Brittens aus amerikanischem
Exil nach England.
Die Weihnachtslieder stammen aus einer Anthologie von Texten aus dem 14. bis
16. Jahrhundert.
Ursprünglich für Knabenstimmen bestimmt, wurde der Zyklus später für gemischten Chor
umgeschrieben.
Mit einer Fantasie über „Kommet ihr Hirten" eröffnete Karin Franke-Andre das Konzert.
Danach zog wie bei einer mittelalterlichen Prozession der Motettenchor unter dem Gesang
des gregorianischen Christvesper-Chorals „Hodie Christus natus est" in die Kirche ein.
Marschartig begrüßte das erste mehrstimmige Lied die Weihnachtszeit, den Himmelskönig,
alle Heiligen und die Märtyrer.
Umspielt von Harfenklängen, wurde dann von Maria und vom Jesuskind gesungen, von der
kalten Nacht der Geburt und von symbolträchtigen Wesen wie der Rose und der Nachtigall.
Es gab Wiegenlieder, liebliche Tänze und das kleine Drama vom Kampf des himmlischen
Kindes mit Satan und dem Höllenheer.
Lebendig wechselte die Komposition zwischen Frauenstimmen, Tutti und Soli (Soprane:
Anne Burkhard, Petra Fass), Unisono und fein ausgearbeiteter Kontrapunktik.
Vortrefflich mit der Musik abgestimmt waren die weihnachtlichen Texte, die Martin
Wirsing jeweils zwischen mehreren Gesängen las.
Der als Hessenstudio-Moderator bekannte Rezitator verstand mit Gedichten von Rilke,
Hesse, Hebbel, Storni und mit Gedanken von Emile A. Chartier, Reinhold Schneider und
Albert Einstein die Hörergemeinde zu bannen.
Zum Schmunzeln brachten Wolfdietrich Schnurres Erinnerung an den geliehenen
Weihnachtsbaum und Beatrice Schenk de Regniers herzerfrischende Geschichte von
den „Pasteten im Schnee".
Gleichsam als A-cappella-Zwischenspiel fügte Chorleiter Thomas Hanelt eigene
Kompositionen ein.
Behutsam dem mittelalterlichen wie dem archaischen Britten-Stil angepasst waren seine
Vertonungen der Antiphon „Veni, veni Emanuel", des Marienhymnus „Ave maris stella"
und des Responsoriums der Christmette „O magnum mysterium", das der Abendmusik den
Titel gab.
Enthusiastischer Beifall für die künstlerischen Leistungen und die besinnliche
Einstimmung auf Weihnachten
|
|
|
Der Motettenchor Frankfurt gastierte in der St.
Cäcilia-Kirche in Heusenstamm mit seinem Weihnachtsprogramm.
|
|
Mitteilung vom: erschienen in: |
20.12.2005 Offenbach Post |
zurück zum Presseüberblick
|
|