Heusenstamm (dra) - Im Streit um die alten Krippenfiguren von St. Cäcilia
lässt Selma Blettrup nicht locker. "Ich stehe nicht allein da", beharrt
die 51-Jährige.
Sie habe zahlreiche Sympathisanten in der Gemeinde, die sich aus Angst aber nicht
öffentlich äußern wollten.
Der Grund: Die katholische Pfarrei sei geprägt von "Geklüngel",
Kritiker hätten Angst, es sich mit den Verantwortlichen zu verderben. "Viele
können sich nicht erlauben, etwas zu sagen, weil sie sonst ihren Job aufs Spiel
setzen", meint sie.
Wie berichtet kämpft die Heusenstammerin dafür, dass die früheren
Krippenfiguren der Pfarrei, die seit einigen Jahren ihr Dasein als Dauerleihgabe an in
der Offenbacher Marienschule fristen, wieder in die Schlossstadt zurückkehren.
Sie hat der Mädchenschule sogar 1500 Euro aus ihrer Privatkasse angeboten, damit
diese sich neue Skulpturen kaufen kann. Vergeblich.
Denn die Gremien der Pfarrei haben kein Interesse an der Heimkehr der Heiligen Familie und
ihrer Stallmitbewohner.
Die Sachlage sei klar, beschied Pfarrer Anton Sauer unserer Zeitung: Es gebe einen
entsprechenden Beschluss des Verwaltungsrates, und Selma Blettrup könne "nicht
etwas einfordern, was ihr nicht gehört".
Der Beschluss sei erst nachträglich gefasst worden, hält Blettrup nun dagegen.
Der damalige Aushilfspfarrer Alexander Nawar habe die Figuren einfach an die Marienschule
mitgenommen und sich damit quasi "selbst geschenkt".
Der Verwaltungsrat habe das eigenmächtige Vorgehen erst im Nachhinein abgesegnet und
eine Dauerleihgabe daraus gemacht.
"Wenn jeder Aushilfspfarrer etwas als Dankeschön mitnähme, hätten wir
bald gar nichts mehr", empört sich Blettrup.
"Das stimmt nicht", widerspricht Herbert Margraf, der sich zur fraglichen Zeit
als stellvertretender Vorsitzender um die laufenden Geschäfte des Verwaltungsrates
kümmerte und nach wie vor dem Cäcilia-Fördervereins vorsteht.
Es gebe ein Sitzungsprotokoll, aus dem eindeutig hervorgehe, dass der Beschluss damals vor
dem Ortswechsel der Figuren gefasst worden sei.
Von Geklüngel könne keine Rede sein.
Margraf zufolge gab es vor dem Kauf der neuen Figuren eine öffentliche
Krippenausstellung im Pfarrheim.
Dort hätten alles Gemeindemitglieder die Gelegenheit gehabt, drei zur Wahl stehende
Ensembles in Augenschein zu nehmen und die geplante Neuanschaffung zu diskutieren.
Die Beteiligung an dem Abend hat Margraf als rege in Erinnerung; Selma Blettrupp allerdings
sei nicht da gewesen.
Von den Anwesenden habe sich niemand dagegen ausgesprochen, die alte Krippe zu ersetzen.
"In diesem Punkt herrschte große Harmonie", erzählt Margraf.
Weniger harmonisch sei dagegen die Diskussion darüber verlaufen, welche Figuren
angeschafft werden sollen: Die jüngeren Gemeindemitglieder plädierten für
ein modernes Ensemble, die älteren wollten etwas im barocken Stil.
Der Gemeinderat entschied sich schließlich für das konventionelle Ensemble; als
Kompromiss wurden die modernen Figuren für den Kindergarten gekauft.
Und die alte Heilige Familie wanderte in die Asservatenkammer.
Zwei Jahre lang lag sie laut Margraf dort, bis Nawar sie entdeckte und vorschlug, sie mit
nach Offenbach zu nehmen.
"In den ganzen zwei Jahren hat sie niemand vermisst", wundert sich Margraf.
Erst als die Figuren die Pfarrei verlassen hatten, sei Blettrup aktiv geworden.
Margraf räumt ein, dass es der 51-Jährigen gelang, einige Unterschriften für
eine Rückkehr der Skulpturen zu sammeln.
Er bezweifle aber, dass den Unterzeichnern "wirklich klar war, worum es geht".
Ob Pfarrer Manfred Schmutzer tatsächlich versprochen hatte, die alten Figuren würden
die Pfarrei nicht verlassen, weiß Margraf nicht.
"Vielleicht hat Frau Blettrup in dem Punkt ja Recht", meint er.
In diesem Fall hätte der Priester aber voreilig etwas zugesagt, was er nicht entscheiden
konnte.
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