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Stand 25. Okt. 2000

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Vivaldi auf Tasten und Orgelpfeifen


Heusenstamm (schu) Ob die Verheißung von "Vivaldi-Musik bei Kerzenschein" oder die Ankündigung der "Vier Jahreszeiten" bewirkte, dass die Pfarrkirche St. Cäcilia schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn fast bis zum letzten Platz gefüllt war, während Orgelkonzerte meist nur einen kleineren Kreis von Kennern und Liebhabern anlocken? 

Das erste Versprechen konnte man wohl aus Brandschutzgründen im barocken Kleinod nicht ganz einlösen. Doch gehören die "Jahreszeiten" zu jenen zugkräftigen Klassik-Hits, die jeder kennt, selbst wenn er mit deren Komponisten, historischen Zusammenhängen und formalen Begriffen nichts am Hut hat. Detlef Steffenhagens inzwischen auch auf CD verbreitete Orgelversion war im vorigen Jahr in der evangelischen Kirche auf einem elektronischen Instrument zu hören. Diesmal durfte die Orgel von St. Cäcilia zeigen, welche Raffinessen ein Virtuose aus ihr herausholen kann. 

Steffenhagen, ehemals Organist an der Frankfurter Johanniskirche und neuerdings in Brasilien ansässig, wandelte mit seiner Orgelbearbeitung gewissermaßen auf Bachs Spuren, denn schon dieser hatte als junger Weimarer Hofmusikus die brandneuen Violinkonzerte seines venezianischen Kollegen für Tasteninstrumente transkribiert. 

Eine von Bachs Nachschöpfungen für Orgel stellte Steffenhagen vor: Vivaldis frühes a-moll Doppelkonzert. Mit ihrem Klangfarbenreichtum ist die Orgel zweifellos das geeignetste Instrument für eine solche "Übersetzung". Den Dialog der beiden Geigenstimmen, die Kontraste zwischen Soli und Tutti, den charakteristischen Belcanta des langsamen Mittelsatzes kann der Organist durch seine Registrierung glänzend in Szene setzen, und Steffenhagens Spiel ließ hier weder an Geläufigkeit noch an Phantasie etwas zu wünschen übrig. 
Vivaldis vier Concerti Le quattro stagioni sind programmatische Musik. Zur Erläuterung des Inhalts hat der Komponist jedem einzelnen Satz ein wohl selbst gedichtetes Sonett beigefügt, das Steffenhagen jeweils in deutscher Version vorlas. Die farbig registrierten Stimmungen und Naturszenen ließen sich auch bei unbefangenem Hören leicht nachvollziehen. Da zwitscherten im Frühling die Vögel, tönte in betörendem Vibrato die Hirtenschalmei, tanzten zur Begleitung von Bordunbässen die Schäfer, Nymphen und Bauern derbe Tänze. Es dröhnte im Sommer das Gewitter, riefen die Hörner zur herbstlichen Jagd, tobten Winterstürme und klapperten im Forte die Zähne. 

Für den enthusiastischen Beifall bedankte sich der Orgelvirtuose stilbewusst mit der populären rauschenden d-moll Toccata des jungen Bach sowie mit "Rule Britannia", der Nationalhymne der Londoner "Proms", und mit Paganini-Variationen auf dem Pedal. 

Mitteilung vom:
erschienen in:

25.10.2000
Heusenstammer Stadtpost


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