Heusenstamm (pro) - Mit einem würzigen Weihrauchduft geschwängerte Wolken steigen durch
zarte Sonnenstrahlen auf zum Jüngsten Gericht. Sanfte Orgelklänge begleiten mehr als 100
Interessierte auf ihrem Gang in Krypta und Sakristei, durch Kirchenschiff und Apsis von
St. Cäcilia. Das Gotteshaus ließ sich kürzlich mit mehreren Sinnen erfahren, Auftakt
der Reihe Heilige Räume von der evangelischen Erwachsenenbildung Dreieich und
Rodgau, des katholischen Blldungswerks Südhessen und der Kreisvolkshochschule Offenbach.
Herbert Margraf, Vorsitzender des Fördervereins St. Cäcilia, forderte die Besucher auf,
das Bauwerk zunächst eigenständig von außen zu erforschen. Bei blauem Himmel spazierten
die Interessierten aus der weiteren Umgebung der Schlossstadt auf dem Rundweg, bestaunten
Wandreliefs, historische Inschriften und Kreuze auf dem einstigen Friedhof. Kirchenkenner
Margraf informierte, dass bis zum 16. Jahrhundert eine kleine gotische Kapelle auf diesem
Platz stand und erst von den Schönborns durch das heutige Wahrzeichen von Heusenstamm
ersetzt wurde. Es war eine Folge des Todes ihres Ehemanns Anselm. Auch für ihre früh
verstorbenen Kinder suchte Gräfin Maria Theresia von Schönborn und Montfort nach einer
würdevollen letzten Ruhestätte. In dem Adelsgeschlecht, erzählte der frühere Lehrer,
sorgten die einen für die Karriere, die anderen für den Nachwuchs. Maria
Theresia zählte zur zweiten Kategorie und machte in der Verwandtschaft Geld locker. Neben
dem seinerzeit sehr begehrten Baumeister Balthasar Neumann stellte der Würzburger Bischof
Steine und Hölzer aus dem Frankenland zur Verfügung. Mit Pferdefuhrwerken kam das
Material an die Baustelle. Selbst der gefragte Maler Christoph Thomas Scheffler konnte
für das Vorhaben gewonnen werden. Sein Talent bewunderten die Gäste im Inneren:
Beeindruckt saugten sie die Ausführungen des Kenners auf, sahen, dass Scheffler es
verstand, die farbenfrohen Deckengemälde aus der Perspektive der Betrachter
auszugestalten. Mit Szenen von der Auferweckung des Lazarus und der Auferstehung Jesu in
einer Vierung zwischen Stuckmarmor-Säulen, ergaben sich den Vorstellungen der Bauherrin
gemäß hoffnungsfrohe Bilder. Pfarrer Thomas Knedelhans lässt sich von ihnen
oft inspirieren und schätzt darüber hinaus den Überblick über seine
Schäfchen, den das Gebäude mit seinem offenen Kirchenschiff bietet. Zwischen den
Rundgängen und Erklärungen bereicherte Herbert Turba erworbene Eindrücke mit
Orgelwerken von Frescobaldi, Bach und Josef Rennes. Weiter geht es am 2. März in der
evangelischen Kirche, am 16. März im Rembrücker Gotteshaus Mariä Opferung, am 13. April
in der alten und neuen Friedhofkapelle auf dem Heusenstammer Friedhof schließlich am 27.
April in Maria Himmelskron an der Marienstraße. |