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Stand 20. Juni 2002

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Kunst der Liedgestaltung
Opernsänger Peter Schreier als Gast in St. Cäcilia


Heusenstamm (schu) - Viele vorzügliche Musiker hat der Fördervereins-Vorsitzende Herbeft Margraf schon für die Balthasar­Neumann-Konzerte in St. Cäcilla verpflichtet, doch noch nie einen so illustren Gast wie Peter Schreier. Ganz ohne auswärtige Hilfe war dies allerdings nicht gelungen; Landrat Peter Walter hatte unter anderen die Hand im Spiel.
Die Kirche war nicht so brechend voll, wie man bei diesem Künstlernamen erwartet hätte. Viele Musikfreunde konnten sich unter den angekündigten Liedern und Arien aus dem Schemelli-Gesangbuch nichts Genaues vorstellen. Leider brachte das Programmheft auch für das Publikum, das des großen Lied-, Oratorien­ und Opernsängers wegen gekommen war, neben bombastischen Künstlerbiografien keinerlei dem Werkverständnis dienliche Information.
Zwecks “promotion” des 1736 erschienenen Gesangbuchs war der angesehene Leipziger Musikdirektor Bach vom Herausgeber Schemelli zur Mitarbeit gebeten worden. Sein kompositorischer Anteil besteht hauptsächlich in der Auszierung der meist älteren Melodien und in der Bearbeitung der Begleitung, die den früheren Sätzen weit überlegen ist. Nur ganz wenige der 69 Melodien hat er selbst beigesteuert, und darüber ist man keineswegs sicher, denn Komponisten blieben in Gesangbüchern meist anonym. Die nicht für Kirchengemeinden, sondern zu häuslicher Erbauung bestimmte Sammlung ist naturgemäß nach religiösen Themen geordnet.
Schreier hielt sich bei seiner Auswahl im wesentlichen an diese Reihenfolge und sang jeweils zwei bis drei Strophen. So war er durch den Wechsel der Stimmungen und Charaktere der zugleich stilistisch unterschiedlichen Stücke vor eine nicht leichte Aufgabe gestellt. Als Lied- und Ariengestalter par excellence erwies er sich auch bei diesem Repertoire aus galanter, schlichter oder barock schwülstiger Lyrik. Von beseelter Innigkeit bis zu fein ausgefeilter Dramatik beherrschte er die sängerische Palette. Er vermittelte glaubhaft die religiöse Aussage und nahm dem teilweise pietistischen Überschwang jede Peinlichkeit. Unnötig zu betonen, dass die Artikulation vorbildlich war. Noch immer besticht die Stimme durch ihr schlankes und warmes Timbre.
Zur letzten Vollkommenheit aber verhalf der Interpretation Hansjörg Albrecht als Begleiter an Orgelpositiv oder Cembalo. Sicher in Stilempfinden und Kenntnis barocker Aufführungspraxis, die weitgehend dem Spieler überlassen ist, improvisierte er den Begleitpart für jedes Lied individuell. Beide Künstler waren ein eng aufeinander eingespieltes Duo. Albrecht, ebenso wie Schreier ehemaliger Kreuzchorschüler und als Cembalist und Organist international tätig, bereicherte das Programm mit der Chromatischen Fantasie und Fuge, auf dem Cembalo überaus virtuos gespielt.
Es-Dur-Präludium und Fuge für Orgel, die wegen der Dreizahl ihrer Themen als Versinnbildlichung der Dreifaltigkeit gedeutet werden, gestaltete er abwechslungsreich und mit plastischem Spiel. Nach Bachs Vorbild in dessen Publikation der so genannten Orgelmesse voneinander getrennt an Anfang und Schluss gestellt, bildeten sie einen glanzvollen Rahmen für die geistlichen Gesänge.
Die beiden Musiker wurden mit anhaltendem Beifall und stehendem Beifall gefeiert und bedankten sich mit dem innigen Lied “Bist du bei mir” aus dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach.

Mitteilung vom:
erschienen in:

19.06.2002
Stadtpost Heusenstamm


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