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Stand 09. Apr. 2003

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Johannespassion zwischen Bühne und Gottesdienst
Motettenchor Frankfurt und Russische Kammerphilharmonie in St. Cäcilia

Heusenstamm (schu) Auch für ein schon renommiertes, aber noch junges Ensemble wie den Motettenchor Frankfurt gehörte Mut dazu, dem reichhaltigen Angebot an teilweise hochkarätigen Aufführungen der Johannes-Passion in der Region eine weitere hinzuzufügen. Für Musiker und Publikum hat sich diese Einstudierung gelohnt. Bemerkenswert war sie nicht nur wegen ihrer künstlerischen Qualität, sondern auch durch die Beteiligung der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg, weshalb das Konzert im Rahmen der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und des russischen Präsidenten stand.
Die Passion, die ihre ursprüngliche Funktion als Bestandteil des Karfreitagsgottesdienstes verloren hat und ins weltliche Konzertleben eingegangen ist, kehrte in Heusenstamm zwar nicht am Karfreitag doch zufällig genau am Tag ihrer zweiten Aufführung vor 278 Jahren in die Kirche als den in ihr angemessenen Rahmen zurück. Dass diese Musik Gottesdienst ist, daran erinnerten bewegende Begrüßungsworte von Sixta Thomas als Vertreterin des gastgebenden Fördervereins St. Cäcilia, die mit einem Gebet zur aktuellen - Kriegssituation schlossen. Man kann von hier aus eine weitere Brücke schlagen: zum erstenmal führte Bach die Johannespassion in St. Nicolai zu Leipzig auf, der Kirche, in der heute wie zur Zeit der Wende die Macht des Gebets erprobt wird.
Bei den Interpreten der Bach-Passionen haben sich gewissermaßen zwei Fraktionen gebildet. die sich an historischer Aufführungspraxis orientierenden Gruppen und die durch größeren Chor und gewohnte Instrumente modernen Hörgewohnheiten entsprechenden Ensembles, die im besten Fall von den Erkenntnissen der historisch orientierten Richtung gelernt haben.
Die Aufführung von Thomas Hanelts Motettenchor gehörte zur zweiten Kategorie. Doch hob sie schon die mittelgroße Besetzung von der spätromantisch geprägten Bombastik früherer Jahrzehnte ab, Die Durchsichtigkeit, die vor allem die auch hier mit virtuoser Geschwindigkeit vorgetragenen polyphonen Chöre erfordern, war fast durchweg gewährleistet. Einen Mittelweg hielt Hanelt auch bei den Chorälen ein. Ohne zu romantisieren, ließ er durch feine Nancierung der Textdeutung Raum.
Die Vokalsolisten tendierten teilweise eher dazu, am Passionsdrama die opernhafte Komponente herauszuarbeiten. Johannes Greten war als Evangelist ein hochdramatischer und stimmlich wandlungsfähiger Erzähler. Klaus Basten verkörperte einen königlich erhabenen Jesus. Das Oratorientimbre war mit Erich Bieri in den Partien des Petrus und Pilatus und der Bass-Arien vertreten, ebenso mit dem schlanken Tenor von Alexander Bassermann. Vorzüglich gestaltete auch die Altistin Gabriele Wunderer. Mit barocker Leichtigkeit kam jedoch die Sopranistin Benedicte Tauran dem Stil des Werks am nächsten.
Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg erwies sich akkompagnierend und solistisch als gute Partnerin.
Die Pause nach dem Schlusschoral zeigte die künstlerische und religiöse Wirkung der Aufführung, bevor dann das Publikum in der vollbesetzten Kirche die Musiker mit anhaltendem Beifall feierte.

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erschienen in:

09.04.2003
Stadtpost Heusenstamm


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