Heusenstamm (schu) - Warum instrumentierte Respighi italienische Lautenmusik aus dem 17.
Jahrhundert, warum schrieb Mozart Fugen und nahm sich Grieg eine barocke Tanzsuite zum
Vorbild? Beweggründe, Technik und Ergebnis sind unterschiedlich, doch spannend ist es
allemal, wenn Komponisten sich mit Werken älterer Epochen beschäftigen, denn es kommt
etwas Neues dabei heraus.
So war die Chacony, mit der das World Chamber Orchestra in St. Cäcilia das
sommerliche Konzert des Fördervereins einleitete, teils Purcell-, teils Brittenlike und
doch keines von beiden. Sie gab dem erst ein Jahr bestehenden Ensemble unter seinem
Gründer und Dirigenten Uwe Berkemer Gelegenheit, bei den Ostinato-Variationen klanglich
aus dem Vollen zu schöpfen, sie mit differenzierter Dynamik zu gestalten und bereits hier
die hohe Qualität der aus aller Welt stammenden jungen Streicher zu demonstrieren.
Dass ein Team von lauter guten Musikern aus verschiedenen Schulen zum einheitlichen
Klangkörper zusammenfindet, ist nicht selbstverständlich - hier war es der Fall.
Klangschön musizierten Tutti und Einzelgruppen auch die italienischen Kostbarkeiten aus
Respighis Zyklus Antiche Danze ed Arie, stets spannungsvoll belebt von
Berkemers massiven Steigerungen. Frisch und präzise erklang Mozarts Divertimento KV 138,
nur leider der Raumakustik nicht genügend angepasst, so dass bei den virtuos gespielten
schnellen Sätzen die Transparenz verloren ging. Auf Mozarts Adagio und Fuge c-moll folgte
Griegs Holbergsuite als andersartiges Beispiel einer schöpferischen Synthese von Alt und
Neu.
Der Qualität des auch vom Kreis Offenbach geförderten Konzerts nicht angemessen war der
von den Gästen dem Förderverein zur Verfügung gestellte dürftige Programmzettel, der
nicht einmal Informationen über das Orchester enthielt.
Großzügig dagegen waren die Gäste mit ihren Zugaben. Für den begeisterten Applaus
bedankten sie sich stilgerecht mit einer rasanten Kostprobe aus der Kleinen
Nachtmusik und einem langen Satz aus Brittens Simple Symphony.
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