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Stand 31. Aug. 2003

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Empfindsam und ausdrucksvoll
Barocke und galante Kammermusik in St. Cäcilia

Heusenstamm (schu) - Dank einer neuen länderübergreifenden Kulturinitiative finden Konzerte verschiedenster Stilrichtungen von Juni bis September an historischen Stätten im Rhein-Main-Gebiet statt und sind unter dem Reihentitel “Rhein-Main-Classic” zusammengefasst. In der Heusenstammer Rokokokirche war Kammermusik vom Potsdamer Kreis um den Preußenkönig Friedrich und von J. 5. Bach zu hören. Vier Mitglieder des von dem Belgier Ph. Herreweghe geleiteten Orchestre des Champs­Elysées, eines der Spitzenensembles für die Pflege älterer Musik mit authentischer Aufführungspraxis, hatten sich zusammengetan, um Triosonaten mit Flöte und Violine und Flötensonaten auf Barockinstrumenten zu spielen. Zu welch lebendiger Kunst sich die früher gern als blutleere Gelehrsamkeit belächelte historische Aufführungspraxis mittlerweile entwickelt hat, war vom ersten Satz an zu erkennen und zu genießen. Kantabel, gelassen, mit sensibler Klangrede und intensiv miteinander korrespondierend spielten der Flötist Mathias von Brenndorff und der Geiger Andreas Preuss eingangs Bachs viersätzige G-Dur-Triosonate BWV 1038. Zuverlässige und gleichsinnige Partner waren Herman Stinders am Cembalo und Harm Jan Schwitters als Continuo-Cellist, dieser mit besonders temperamentvollen Einsatz.
Von Friedrichs Hofkomponisten, dem Flötenmeister Johann Joachim Quantz, und vom Potsdamer Hofcembalisten Carl Philipp Emmanuel Bach sind ihre musikästhetischen und spieltechnischen Lehrbücher heute eher bekannt als ihr umfangreiches Musikschaffen, und auch die über 100 Flötenkompositionen des preußischen Kronprinzen und späteren Königs schlummern in Bibliotheken. Um so reizvoller war es, Kammermusik dieses Dreigestirns kennen zu lernen, und dies in Gegenüberstellung zu Werken des Vaters Bach, die bei der jüngeren Generation damals als veraltet galten und die doch die ihrigen bis heute überlebt haben. Stilsicher interpretierten die vier Musiker die zwischen strenger Schreibart und galantem Geschmack vermittelnde G-dur-Flötensonate von Quantz. Auch bei der Sturm- und Dranghaften, seufzerbeladenen Triosonate Wotqu 145 des zweitältesten Bachsohns und der empfindsamen c-moll-Sonate Friedrichs des Großen wurden sie dem ästhetischen Anspruch dieser Zeit zwischen Barock und Klassik gerecht, dass Musik vor allem Ausdruck der inneren Empfindung sein soll. Dass die schnellen Sätze mit makelloser Virtuosität und selbst bei rasanten Verzierungen und rhythmischen Kapriolen mit perfektem Zusammenspiel bewältigt wurden, braucht kaum erwähnt zu werden.
Eine spannungsvolle Steigerung erreichte das Quartett noch mit Bachs Triosonate BWV 1039. Neben der ausdrucksvollen Linie des Eingangssatzes und dem alle Instrumente virtuos fordernden Presto gefiel besonders das jede Süßlichkeit vermeidende, mit geschmackvoller Zurückhaltung gespielte Adagio im italienischen Stil.
Die zahlreichen Musikliebhaber, die sich von der Rekordhitze nicht hatten abschrecken lassen, honorierten das Konzert mit begeistertem Beifall und erhielten zum Dank eine Zugabe aus einer Triosonate von Quantz.

Foto: Marcus Janz    [Bild vergrößern]


Das “Orchstre des Champs-Elysées” aus Paris gab in der Reihe “Rhein-Main-Classics” ein Konzert in der Kirche St. Cäcilia. Das Kammerensemble erhielt für seine werkgetreue Interpretation mit originalgetreuen Instrumenten reichlich Applaus.

Mitteilung vom:
erschienen in:

13.08.2003
Stadtpost Heusenstamm


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