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Stand 01. Okt. 2003

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Ein Meister lässt sich auf die Finger schauen
Besinnliches Orgelkonzert des Domorganisten Schönberger

Heusenstamm (schu) - Virtuosen auf Klaviertasten, Saiten und Rohren kann man auf dem Konzertpodium beobachten, doch wann hat der Hörer schon Gelegenheit, dem auf die Empore entrückten Organisten auf die Finger oder in die Noten zu schauen? Der Mainzer Domorganist Albert Schönberger verschaffte dem Publikum in St. Cäcilia mit Hilfe einer Video-Übertragung diesen sowohl lehrreichen als auch ästhetischen Genuss.
Die Abendmusik, veranstaltet im Rahmen der Fördervereinskonzerte und der Reihe “Domorganisten in Hessen” innerhalb des Kultursommers Südhessen, stand unter dem Motto “Hören - Schauen - Erleben”. Der Musiker führte selbst durch das Programm, auch hier im Blickkontakt mit dem Publikum, und gestaltete das Konzert als Abendandacht.
“Der Himmel muss barock sein”, zitierte er den Ausruf eines Freundes beim Anblick eines barocken Kirchenraums, und nicht nur die Harmonie von Bild- und Klang-Kunst in St. Cäcilia gab ihm recht, sondern auch der immer wieder eingeblendete Bildausschnitt mit Engeln, die zum himmlischen Licht emporfliegen. Das Thema Licht war denn auch der rote Faden des Programms.
Dieses Thema schlug zuerst der Choral “Liebster Jesu, wir sind hier” an, dessen dritte Strophe das Licht besingt. Der Bachschüler J. L. Krebs nahm es zur Vorlage für ein Trio, das Schönberger bearbeitet hat. “Für ein Orgelwerk in eine Uhr” komponierte Mozart sein Andante KV 618a und die dreisätzige Phantasie f-moll. Er war passionierter Orgelspieler, der Bewunderung erregte, und könnte die kontrapunktisch kunstvolle Phantasie wohl ebenso fulminant auf einer Königin der Instrumente gespielt haben wie Schönberger, der immer neue Klangfarben hervorzauberte. Ein Präludium in strahlendem C-Dur von J. Ch. Kellner, einem älteren Mozart-Zeitgenossen, war vorausgegangen.
Während bei Mozart auch Trauer durchschien, vermittelte die Cantilene aus Rheinbergers 11. Orgelsonate Ruhe und Zuversicht. Traditionslinien führen sowohl von Bach als auch von Mozart zum Thüringer Bach-Enkelschüler Ch. H. Rinck, der in Darmstadt wirkte und als größter Orgelspieler seiner Zeit galt. Als Mozartverehrer erwiesen ihn ein Trio in C-Dur und ein “Floeten-Concert” in f mit geschickter Übertragung der Konzertform auf die Orgel.
Schrecken des Krieges beschwört der Holländer Cor Kee in seinen Choralvariationen über das barocke Freiheitslied “Merck toch hoe sterck”. Es entstand nach der Verteidigung des brabantischen Bergen op Zoom 1622 gegen spanische Truppen. Die gemäßigt modernen Variationen verdeutlichen klangmalerisch die dort geschilderten Vorgänge, auch Angst, Hoffnung, Rettung und Dankgebet, eine Herausforderung an fantasievollen Registereinsatz und technisches Können.
Nach der bekannten Badischen Choralbearbeitung “Jesu bleibet meine Freude” improvisierte Schönberger schließlich über das Kirchweihlied “Ein Haus voll Glorie schauet”, Hommage an St. Cäcilia und das Kirchweihfest, zugleich Begrüßungsgeschenk für den neu eingeführten Pfarrer Anton Sauer und Pastoralreferentin Gabriele Panning.
Obwohl nur ein spärlicher Teil des sonstigen Orgelkonzert-Publikums an dem außergewöhnlichen Musikerlebnis teilgenommen hatte, bedankte sich der Meister des Orgelspiels und der Improvisationskunst für den anhaltenden Beifall mit einer Improvisation über “Lobet den Herren”.

Mitteilung vom:
erschienen in:

01.10.2003
Stadtpost Heusenstamm


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