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Stand 12. Febr. 2004

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Dem Verfall Einhalt gebieten

St. Cäcilia: Historische Epitaphien im Kirchgarten aufwändig restauriert

Heusenstamm (mci) - Dass wohlhabende Menschen Geld stiften, um einen guten Zweck zu unterstützen oder ein größeres Vorhaben zu fördern, ist nichts Neues. Schon vor mehreren hundert Jahren spendeten die Reichen Geld, etwa an die Kirche, und schon damals hatten sie es gerne, wenn das nicht in aller Heimlichkeit geschah, sondern darüber gesprochen wurde.
Diesem Umstand verdanken sich wohl auch die Epitaphien an der katholischen Pfarrkirche St. Cäcilia. Die alten Steintafeln mit Grabinschriften, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, auf damals großzügige Spender, die sich damit einen prominenten Platz im Kirchgarten verdient oder gesichert haben. Fest steht aber in jedem Fall, dass die Epitaphien wichtige historische Zeugnisse sind und von der reichen Geschichte Heusenstamms und seiner Pfarrkirche erzählen.
Grund genug für die Stadt und den Förderverein der Balthasar-Neumann-Kirche St. Cäcilia die Epitaphien nun aufwendig restaurieren zu lassen, denn die Steine haben inzwischen teilweise stark gelitten. Nicht nur der Zahn der Zeit nagt an den massiven Sandsteintafeln mit kunstvollen Inschriften und Wappen, auch die falsche Aufarbeitung in früheren Jahren sorgte für den Verfall der historischen Zeugnisse. Auf eine schonende Restaurierung wurde damals kein Wert gelegt. Damit es diesmal anders ist, zeichnen zwei Spezialisten für die Arbeiten verantwortlich, die auch schon die Kreuzigungsgruppe im Kirchgarten von St. Cäcilia restauriert und wiederaufgebaut haben: Die Steinrestauratoren Richard Löbig aus Dieburg und Martin Stein aus Karlstein am Main sind Experten auf ihrem Gebiet. Sie werden die fünf Steine nicht nur schonend wiederherstellen, sondern auch dafür sorgen, dass Wind und Wetter in Zukunft weniger Spuren hinterlassen können.
Dafür müssen drei Steine zunächst vorsichtig aus der Kirchenmauer entfernt werden, in die sie seit langem eingelassen sind. Doch was optisch schön aussieht und wie eine Einheit wirkt, ist eine Hauptursache für den Verfall der Steine. Denn durch die enge Verbindung mit der Kirchenwand hatte das Regenwasser leichtes Spiel, im Verborgenen seine korrosiven Kräfte zu entfalten. Künftig stehen die großen Epitaphien auf einem Metallsockel, ein Stück von der Kirchenmauer abgerückt; vor dem Regen von oben wird sie ein Blech schützen.
Auf diese Weise soll unter anderem der älteste und wertvollste Epitaph vor dem weiteren Verfall geschützt werden. Er wurde für Martin von Heusenstamm errichtet, der 1540 verstorben ist. Die stark verwitterten Wappen und Inschriftfragmente konnten erst kürzlich korrekt zugeordnet werden - bisher dachte man noch, der Grabstein würde an Anna von Gemmingen, erinnern. Der Epitaph von Martins 1509 gestorbener Ehefrau Elisabeth steht übrigens gut erhalten in Patershausen.
Bevor der Stein jedoch an seinen Platz an der südwestlichen Wand des Seitenschiffs zurückkehrt, wird er wie die übrigen Epitaphe gründlich gereinigt und aufgearbeitet. Ein spezieller Kieselsäureester sorgt in einem sechswöchigen Prozess für die porentiefe Reinigung, was bei den beiden in der Kirchenwand verbliebenen Epitaphe wegen der benötigten konstanten Temperaturen erst im März oder April geschehen kann. Danach wird die bisherige oberste Farbschicht abgetragen, die durch ihre Kunststoffdispersion leider einiges zum Verfall der Steine beigetragen hat.
So vorbereitet werden die Risse und Hohlstellen in den Steinen mit Epoxydharz geschlossen und abgeplatzte Stellen soweit möglich mit Steinrestaurierungsmasse ersetzt. So soll der weitere Verfall aufgehalten werden. Zum Abschluss werden die Epitaphien, die vor hunderten von Jahren vermutlich mehrfarbig angemalt waren, wieder mit einer mineralischen Farbe an das Gesamtbild des Ensembles angeglichen.
Die Arbeiten werden auf Initiative des Fördervereins von St. Cäcilia mit Förderung der Stadt durchgeführt. Die Betreuung der Restaurierung übernimmt Thomas Kessler vom Bauamt der Stadt Heusenstamm. Die beauftragten Restauratoren Löbig und Stein schätzen, dass sie die Arbeiten im Mai abschließen werden. Dann zeugen die Epitaphien im Kirchgarten von St. Cäcilia wieder von Menschen, die wohl Gutes getan haben und davon erzählt haben wollten. Es ist ihnen gelungen.

Foto: Marcus Janz    [Bild vergrößern]

 
Für die Restaurierung der Epitaphe im Garten der Pfarrkirche St. Cäcilia zeichnen die beiden Steinmetz Richard Löbig (rechts) und Martin Stein (sitzend) verantwortlich. Bei ihnen Informierten sich der Hauptamtsleiter der Stadt, Heinz Scherer, Thomas Kessler vom Bauamt, Herbert Margraf vom Förderverein St. Cäcilia sowie Bürgermeister Peter Jakoby über die geplanten Arbeiten.

Mitteilung vom:
erschienen in:

11.02.2004
Stadtpost Heusenstamm


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