Konventionell und fortschrittlich
Orgelkonzert "Bach und seine Söhne" in St. Cäcilia |
Heusenstamm (schu) — 20 Kinder hatte Johann Sebastian Bach; nur zehn davon erreichten das Erwachsenenalter.
Doch genoss er das Glück, musikalisch begabten Nachwuchs zu haben, und besonders stolz war er auf die vier Söhne,
die erfolgreiche Musiker wurden: Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann
Christoph Friedrich und Johann Christian. Ihre Orgelkompositionen sind heute weniger bekannt, doch die
Gelegenheit, sie kennen zu lernen und mit
Werken des Vaters zu vergleichen, bot nun ein Konzert der Reihe "Domorganisten im Kultursommer Südhessen", zugleich
im Rahmen des Heusenstammer Kultursommers, in St. Cäcilia.
Auf Einladung des Fordervereins Balthasar-Neumann-Kirche und des Kulturforums wählte der Limburger Domorganist Markus
Eichenlaub Kompositionen Johann Sebastians aus, die dieser seinen Söhnen zu Studienzwecken gab oder die im
Geburtsjahr eines Sohnes entstanden sind, und stellte ihnen Orgelstücke der Junioren gegenüber, mit
Ausnahme des
stilistisch allzu weit entfernten "Londoner Bach" J. Christian.
Anhand des glanzvollen G-Dur-Präludiums und der Fuge BWV 541 sollte der älteste Sohn Friedemann auf Geheiß des
Vaters seine Virtuosität beweisen, als er sich für eine Organistenstelle in Dresden bewarb.
Eichenlaub ergänzte das in festlichem Vollklang registrierte Werkpaar durch den Moll-Satz einer Orgelsonate, der
mit kontrastierendem sanftem Zungenregister das Gange zu einem Concerto abrundete.
Die Kunst der Klangregie, verbunden mit klarem, gewandtem und stilsicherem Spiel, bewies der junge Organist auch bei
Wilhelm Friedemanns Choralbearbeitung "Jesu meine Freude" und der Fuge in B, beide eher konventionell.
Himmelstürmend temperamentvoll und avantgardistisch wirkt dagegen die a-moll-Sonate seines
Bruders Carl Philipp
Emanuel.
Den ruppig-eigenwilligen und zugleich empfindsamen Stil seiner Klaviersonaten und Sinfonien findet man hier auf
die Orgel übertragen; und Eichenlaub verstand ihn zupackend in diesem
erweiterten Klanggewand darzustellen.
Auf der Höhe der Zeit war schon Papa Bach, als er die neuen Concerti aus Italien studierte und für Orgel bearbeitete,
so auch die Konzerte seines Gönners am Weimarer Hof, des Prinzen Johann Ernst.
Der besondere Reiz des C-Dur-Konzertsatzes der kurze Wechsel zwischen Oberwerk und Rückpositiv, wurde von
Eichenlaub makellos vorgeführt.
Mozartscher Tonsprache nähert sich der 18 bzw. 22 Jahre nach seinen
Halbbrüdern geborene J. Christoph Friedrich.
Seine einfallsreichen Variationen über das auch von Mozart bearbeite "Ah, vous dirai-je, maman", unsere
Weihnachtsmann-Melodie, waren ein reizvolles Stil-Portrait des
"Bückeburger Bach" und boten wieder Gelegenheit zu
vielfältiger Klanggestaltung.
Das an älteren Toccatenstil anknüpfende, brillante Bachsche Jugendwerk Präludium und Fuge BWV 532 mit seiner
anspruchsvollen, vom Domorganisten scheinbar mühelos beherrschten Pedaltechnik blieb nicht das Finale.
Durch den begeisterten Beifall zu einer Improvisation herausgefordert, zeigte sich der Gast auch in dieser
Kunst als Meister, nicht nur erfindungsreich, sondern auch witzig.
Wer käme so schnell auf die Idee, den Choral "Lobet den Herren" mit
"Guten Abend, gut' Nacht" zu verbinden?
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Ein Programm, das sich ausschließlich auf Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und drei seiner Söhne konzentrierte,
spielte der Limburger Domorganist Markus Eichenlaub in der Katholischen Kirche St. Cäcilia. Das Konzert fand sowohl
im Rahmen des Heusenstammer Kultursommers als auch des Kultursommers Südhessen statt.
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Mitteilung vom:
erschienen in: |
14.07.2004
Stadtpost Heusenstamm |
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