Heusenstamm (schu) - Wer wüsste es besser als die Fastnacht-aktiven Heusenstammer Ureinwohner: unter Pfarrkindern
gibt‘s besonders viel zu lachen.
So luden noch vor Ende der novemberlichen Trauerzeit die Kirchengemeinden und das Kulturforum wieder zum fast
schon traditionellen Kabarettabend ein.
Im Pfarrheim nahmen diesmal jedoch nicht Geistliche die Kirche auf die Schippe, sondern Franz-Josef Feimer,
Piano-Kabarettist mit Richter-Karriere, hatte ausschließlich uns Weltkinder im Visier.
Rasant mit "Rosinen und Arsen" traktiert, war den Lachmuskeln des Publikums im vollbesetzten Saal kaum Erholung
gegönnt.
Gereimt und in Prosa, eindringlich deklamierend oder als Sänger und Klaviervirtuose in Personalunion, trug der
Liedermacher seine Bosheiten, giftig-liebevollen Portraits und skurrilen Geschichten vor.
Nichts und niemand blieb verschont, weder Ärzte noch Rentner, weder Märkte noch Gesundheitswesen, weder
verheiratete Männer noch Junggesellen mit Handy, noch die Frauen mit dem bösen, zur Ehe bannenden Blick.
Auch die Mannheimer, mit ihren Ludwigshafener Nachbarn so innig verbunden wie die Frankfurter mit den Offenbachern,
bekamen ihr Fett weg, fremdsprachlich und in Übersetzung.
Jeder konnte sich getroffen oder getröstet fühlen: Ehemänner kostspielig kauflustiger Frauen, Eltern von abendlich
"Zeit schindenden" Zahnspangen tragenden und Hamster liebenden Youngstern, die reifere Generation in ihrem
zerrüttenden Kampf mit Ec-Automat, Computer, Fernbedienung und Internet.
Selbst dem Raucher mit halber Lunge wurde mit schwarzem Humor Verständnis zuteil.
Visionäre Vorschläge wie die "Trendopfer-Rente" für den unumkehrbar älteren Mann oder das Singen von "Heile, heile
Gänsche" als Alternativ-Medizin, wenn das Arzt-Budget nicht reicht, erschienen durchaus einleuchtend.
Einfühlsam und gar in Hexametern verbreitete sich der Kabarettist auch über erotische Thematik.
Als in der Geschichte vom dreimal geänderten Testament die Kirche an die Reihe kam, konnten die Glocken von St.
Cäcilia nicht umhin, sich einzumischen.
Eine Horror-Vision aber war die Chronik einer vorweihnachtlichen Verkaufsschlacht der Supermärkte Ende
September/Anfang Oktober.
Gekämpft wurde nicht nur mit Lebkuchen, Kerzen, Lametta und mit Krippenfiguren im Gemüse, sondern auch mit Esel,
Rentier und Schneekanonen - wenn nicht wahr, so gut erfunden.
Wie das Deutschlandlied auf die Melodie von "Stille Nacht" gesungen wird, dafür blieb der sonst musikalisch so
beschlagene Visionär die Antwort schuldig.
Sein musikdramaturgisches Talent jedenfalls bewies er mit der Kurzoper "Der letzte Junggeselle".
Hier wie überall beherrschte er die Kunst der Andeutung und des raffinierten Einsatzes von beredten Pausen.
Kabarett sei eine Droge, und wer sich ihr nähere, sei ihr verfallen, schreibt Feimer in seinem Lyrik-Band.
Das süchtig gewordene Publikum ließ den schnauzbärtigen Wortakrobaten nicht ohne zwei Zugaben gehen, und der
fügte sich widerstandslos.
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